KirchGruppe Abschied von der Formel 1?

Ist das Kirch-Imperium noch zu retten? Der Konzern will sich möglicherweise ganz von der Formel 1 trennen. Für die drei Lokalsender der KirchGruppe hat sich bereits ein Interessent gefunden.

Frankfurt am Main - Um sein hoch verschuldetes Unternehmen zu retten, geht Medienunternehmer Leo Kirch offenbar jetzt ans Eingemachte. Zum ersten Mal signalisierte er die Bereitschaft, notfalls auch die Formel-1-Rechte komplett abzugeben. Gewinner könnten die Automobilhersteller und der Kirch-Konkurrent Rupert Murdoch sein, schreibt das "Handelsblatt".

"Die Formel-1-Anteile werden alle verkauft", zitiert das Blatt einen Kirch-Insider. Derzeit hält die KirchGruppe zusammen mit dem Filmrechte-Händler EM.TV  drei Viertel der Anteile an der Formel 1. Ein Sprecher von DaimlerChrysler sagte der Zeitung: "Wir warten auf ein Angebot. Es gelte das Worte des Mercedes-Benz-Vorstands Jürgen Huppert: "Wenn das Angebot stimmt, nehmen wir die Formel 1."

Ein Kirch-Sprecher bekräftigte dagegen noch einmal: "Unser Interesse ist, die Mehrheit an der Formel 1 zu behalten." Eine Abgabe der Mehrheit käme nur dann in Frage, wenn sich dies als Teil der Umstrukturierung der KirchGruppe überhaupt nicht vermeiden ließe. Genau danach sehe es aber aus, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter.

Käufer für Lokalsender gefunden

Fest steht, dass Kirch sein Aktienpaket an dem Axel Springer Verlag veräußern wird. Auch die Ballungsraumsender stehen offensichtlich zum Verkauf. Die Kirch-Anteile an dem profitablen, spanischen TV-Sender Telecinco haben bereits neue Käufer gefunden.

Für die drei zum Kirch-Imperium gehörenden Lokalfernsehsender ist auch schon ein Interessent gefunden. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtete, wolle Bernd Schumacher, ein Betreiber von zwei baden-württembergischen Regionalsendern die Sender TV München, Hamburg 1 und TV Berlin übernehmen. "Unser Ziel ist eine bundesweite Kette regionaler Sender", wird Schumacher zitiert. Er habe Kirch-Manager Fred Kogel schriftlich Verhandlungen angeboten. Die Finanzierung ist offenbar aber noch ungeklärt.

Staatsanwaltschaft beobachtet Bayerische Landesbank

Währenddessen gerät in Zuge der Kirch-Krise auch die Bayerische Landesbank unter Druck. Ein Konkurs der KirchGruppe könnte das halbstaatliche Kreditinstitut in Schwierigkeiten bringen. Denn die Landesbank habe dem Medienkonzern zwei Milliarden Euro geliehen, ohne sie entsprechend abgesichert zu haben, berichtete die "Financial Times Deutschland". Die Münchner Staatsanwaltschaft sei zumindest schon mal hell wach und beobachte die Vorgänge des Instituts.

Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) sagte dagegen, dass die Bayerische Landesbank den Kredit für das Formel 1-Engagement der angeschlagenen KirchGruppe nach seiner Einschätzung gut abgesichert habe. "Um den Formel 1-Kredit ist mir nicht bange", so Faltlhauser. Der Kredit sei durch die Formel 1, Filmrechte und nachrangig durch die Springerbeteiligung dreifach besichert. Das übrige Kreditengagement der Landesbank sei genauso abgesichert, wie die Kredite aller anderen Banken auch.