Vodafone/T-Mobile Virtuelle Geldbörse

Wenn aus Konkurrenten Partner werden: Die beiden Mobilfunk-Unternehmen gründen eine gemeinsame Bezahl-Plattform. Damit sollen deren Kunden schon bald ihre Einkäufe per Handy bezahlen können. Die Technik stammt von eOneGlobal, das Teile des Pleiteunternehmens Brokat übernommen hat.

London – Die beiden Konkurrenten Vodafone Group  und die Telekom-Tochter T-Mobile International wollen zusammen eine kompatible Bezahl-Plattform für den Mobilfunk aufbauen. Ziel: ein gemeinsames Zahlungssystem für Mobilfunkkunden.

Die angekündigte Plattform soll es den Kunden ermöglichen, bei den beteiligten Unternehmen per Mobiltelefon für Waren und Dienstleistungen zu bezahlen. Dabei würden persönliche Daten und bevorzugte Zahlungsarten in einer "virtuellen Geldbörse" gespeichert.

Brokat-Technik

Mobile Kunden sollen ihre Handys künftig ebenso wie Kreditkarten oder Bargeld verwenden können, erklärte T-Mobile-Sprecherin Andrea Vey gegenüber manager-magazin.de. Dabei stünden verschiedene Abrechnungsmodelle zur Verfügung. Die Kunden sollen dann entscheiden können, ob sie per Kontoeinzug, Kreditkarte oder über die Telefonrechnung bezahlen wollen. Wie jedoch die genauen Modalitäten aussähen, müsse noch festgelegt werden, so die Sprecherin.

Als Grundlage für das System von Vodafone und T-Mobile dient die Technik von Encorus Technologies, einer Tochter des US-Unternehmens eOneGlobal. Der Softwarespezialist hatte weite Teile des Stuttgarter Pleiteunternehmens Brokat aufgekauft und sie in Encorus Technologies umgetaufte.

Offene Plattform

T-Mobile und Vodafone wollen ihre Plattform bis zum Jahresende starten. Das Angebot soll zuerst in Großbritannien und Deutschland an den Start gehen. Beide Unternehmen wollen für ihr Projekt weitere Mobilfunkanbieter gewinnen.

Und die äußerten sich auch schon positiv. E-Plus-Geschäftsführer Uwe Bergheim sagte, es sei zu begrüßen, wenn zwei große Unternehmen wie Vodafone und T-Mobile kooperierten, um einen neuen Standard zu entwickeln und die größtmögliche Akzeptanz zu erreichen. Es werde helfen, die Händler davon zu überzeugen, an dem System teilzunehmen, wenn man die maximal möglich Kundenzahl erreicht.

Ein Sprecher von Viag Interkom äußerte, ein genereller Standard für ein Bezahlsystem sei interessant, wenn die Kunden das Mobiltelefon bei möglichst vielen Geschäften nutzen könnten. Gespräche über einen direkten Einstieg von Bankhäusern liefen derzeit nicht, sagte die T-Mobile-Sprecherin Vey.

Konkurrenz zu Paybox

Mit ihrem Projekt machen Vodafone und T-Mobile vor allem Paybox, dem Marktführer im Bereich mobiles Bezahlen, Konkurrenz. Paybox beitet bereits seinen Bezahl-Service per Handy in Kooperation mit der Deutschen Bank an. Das Unternehmen zählt bislang 750.000 Kunden. Branchenkenner schätzen jedoch, dass nur jeder Hundertste Nutzer das Handy nutzt, um damit Bücher, Blumensträuße oder andere Waren und Dienstleistungen im Internet zu bezahlen.

Wieviele Kunden möglicherweise auf das Handy-Bezahlsystem von Vodafone und T-Mobile einsteigen werden, ist ungewiss. "Wir haben dafür noch keine Schätzungen", sagte die T-Mobile-Sprecherin. Zusammen haben die beiden Mobilfunk-Unternehmen nach eigenen Angaben in Deutschland und Großbritannien mehr als 60 Millionen Kunden.

Den Umstand, dass T-Mobile ausgerechnet mit seinem britischen Konkurrenten zusammenarbeitet, erklärte die Sprecherin mit der erforderlichen Zahl an Nutzern. Andrea Vey: "Wir kooperieren mit Vodafone, da eine bestimmte kritische Masse notwendig ist, um einen neuen Bezahlstandard für den Mobilfunk zu etablieren."

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