Lycos Europe Unverbesserlicher Optimist

Das Internetportal will Ende des Jahres profitabel sein. Dafür baut es massiv Personal ab.

Gütersloh - Das Internetportal Lycos Europe  will Ende des Jahres beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schwarze Zahlen schreiben. Dabei setzt das Unternehmen trotz der Bedenken von Analysten weiter auf die Strategie, sich auf Werbe- und E-Commerce-Einnahmen sowie Zugangsgebühren zu stützen.

Schwarze Zahlen – ein heres Ziel. Bislang sprechen die Zahlen aber eine andere Sprache. Denn Lycos Europe hat im Rumpfgeschäftsjahr bis Ende Dezember 2001 wiederum deutliche Verluste geschrieben. Der Fehlbetrag belief sich auf 67,5 Millionen Euro oder 0,22 Euro je Aktie.

200 Mitarbeiter müssen gehen

Nun greift der Internet-Dienstleister zum üblichen Mittel, um Kosten zu reduzieren, und baut die Mitarbeiterzahl drastisch ab. 200 der gegenwärtig 1100 Mitarbeiter in Europa müssen gehen. Damit – so lässt das Unternehmen verlauten - werde der im Vorjahr verkündete Restrukturierungsplan beschleunigt. Bereits zuvor hatte Lycos Europe seinen Personalstand von 1400 auf 1100 reduziert.

Kein Wunder also, dass immer wieder Gerüchte aufkochen, dass Bertelsmann sich aus dem Internet-Portal zurückziehen wolle. Noch hält der Gütersloher Medienriese 18,4 Prozent. Als möglicher Käufer wird dabei der spanische Internet-Konzern Terra gehandelt. Der hält bereits 29,5 Prozent der Anteile an Lycos Europe. Christoph Mohn, der Vorstandsvorsitzende von Lycos Europe, geht allerdings nicht davon aus, dass Terra Lycos die Bertelsmann-Anteile an dem niederländischen Unternehmen übernimmt.

Forrester rechnet mit Bertelsmann-Ausstieg

Beim Forschungsinstitut Forrester Research geht man jedoch davon aus, dass der spanische Konzern die Anteile von Bertelsmann übernehmen will. Forrester-Analystin Hellen Omwando rechnet damit, dass Lycos Europe innerhalb der kommenden fünf Jahre zu Terra Lycos gehören werde. Mohn hält dagegen: "Ich habe erst am Dienstag mit Bertelsmann-Vorstand Thomas Middelhoff gesprochen. Er hält das Geschäft weiterhin für interessant."

Doch die Forrester-Analystin kritisiert weiter: Die Lycos-Europe-Strategie, auf viele Marken zu setzen, mache wenig Sinn. Es sei grundsätzlich nicht falsch, auf mehrere Marken zu setzen. Dabei müsste aber strategisch und geschickt vorgegangen werden. Lycos Europe sollte vermehrt darauf bauen, Besucher auf alle Konzern-Seiten zu locken - das geschehe aber nicht. Als Beispiel nannte Omwando die Marke Spray. Von deren Seite sei es nicht leicht ersichtlich, dass diese zu Lycos Europe gehöre. Das Unternehmen müsse seine Marken-Strategie unbedingt straffen.

Mohn will davon offenbar nichts wissen. Er hofft, dass der Aktienkurs wieder in Bewegung kommt, sobald das Unternehmen die Gewinnzone auf Ebitda-Basis erreicht. Derzeit notiert die Aktie bei 0,68 Euro deutlich unter der Marke von einem Euro - der Emissionspreis vor rund zwei Jahren war 24 Euro.