Apple Schlauer klauen mit dem iPod

Apples iPod, schwören Fans, ist mehr als "nur" ein MP3-Player. Wohl wahr, fand "Wired" heraus: Das Ding ist ein Werkzeug zum virtuellen Ladendiebstahl.

Es soll Journalisten gegeben haben, die über Apples iPod schrieben, als handele es sich dabei "nur" um einen MP3-Player. Eine Sünde, für die solche Missetäter von der schreibfreudigen Apple-Fangemeinde sogleich in zahllosen Leserbriefen als erbarmungswürdige Ignoranten geoutet wurden: Was Apple macht, ist nie "nur".

Im Gegentum: Voller ungeahnter Fähigkeiten stecke die kleine Kiste, hieß es sogleich - dabei ahnte man damals gar nicht, wie wahr das ist.

Denn das kleine Schmuckstück, das nur erbarmungswürdige Ignoranten entfernt an eine klassische Seifendose fürs Schwimmbad erinnert, ist ein Stück modernste Hightech. Eine ganz mächtig dicke Festplatte hat es nicht nur, weil ein MP3-Player so was nun mal braucht: Nein, auf den so immer mitgeführten fünf Gigabyte Speicherraum lässt sich alles Mögliche transportieren. Eine richtig fies schnelle, externe Festplatte ist das, Firewire sei Dank.

Wer jetzt noch mosert, fünf Gigabyte seien ja wohl Peanuts gegen die 10, 20 und gar 40 Gigabyte, die manch andere MP3-Player heute bieten, der ist entweder ein erbarmungswürdiger Ignorant oder fanatischer Microslave (oder beides). Denn natürlich liegt der Clou der Sache ganz woanders: in den Grundtugenden aller Apple-Technologien.

Wer - nur so zum Beispiel - in einem ganz normalen Geschäft Software klauen möchte, der braucht sich heute keinen Bruch mehr zu heben an unhandlichen CD-Fünferpacks.

Nein, er läuft einfach hinüber zu diesem funkelnagelneuen Apple dort, stöpselt seinen iPod ein - und saugt binnen einer Minute satte 200 Megabyte Software vom Rechner. So gesehen und bezeugt und beschrieben von einem "Wired"-Mitarbeiter, der eine solche Szene in einem Computerladen erlebte.

Da Apple in jeder Beziehung immer bequemer als dieses andere, undurchdachte Chaotensystem der Konkurrenz war, braucht es dafür auf Userseite keinen Funken Intelligenz: Der Kontakt zwischen iPod und Computer ruft ein iPod-Symbol auf den Desktop - und dann muss man das betreffende Programm nur noch per Maus herüberziehen. Fertig.

Spitzzüngig merkt der "Wired"-Kollege noch an, dass Apple das im Gegensatz zu Windows möglich mache, weil man nur auf Apfel-Rechnern vollständige Programmpakete inklusive aller nötigen Dateien so leicht kopieren könnte. Windows erfordere dagegen immer ein Installationsprogramm (und Geduld und Hilfe und Phantasie und die Fähigkeit, sich in eine abstruse Denke einzufinden, wie wir alle wissen).

Uns liegt das fern, wir verbeugen uns tief vor der kundenfreundlichen Weitsicht der Apple-Entwickler, die mit diesem Werkzeug iPod ein Stück Technik geschaffen haben, die den Apple endlich auch für eine Zielgruppe interessant macht, die sich noch nicht einmal die Software leisten kann. Der Rest fällt mit etwas Glück vom Laster.

Bravo: schlauer klauen mit iPod.

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