ARD / Kirch-Gruppe "Wenn Kirch fiele, würden wir profitieren"

Fritz Pleitgen hat Kritik an der Abwehr der ausländischen Medienunternehmer Rupert Murdoch und John Malone zurückgewiesen. Die ARD habe keine Angst vor Murdoch. Gleichzeitig räumte der ARD-Chef ein, dass die Schwäche der Kirch-Gruppe der deutschen Medienlandschaft durchaus gut tue.

New York - Der oberste Verteidiger der Medienbastion Deutschland bestreitet, dass ausländische Medienunternehmer in Deutschland nicht willkommen seien. "Das Bild von der Deutschland AG ist falsch", sagte Pleitgen am Donnerstag bei einem Treffen der Association of German Business Correspondents (ABC) in New York. Niemand habe etwas gegen Murdoch oder Malone. Sie müssten sich nur an die Spielregeln halten.

In- und ausländische Kommentatoren hatten die konzertierte Rettungsaktion der Kirch-Gruppe und die Kartellamts-Entscheidung gegen den Verkauf des Kabelnetzes an den US-Unternehmer John Malone verurteilt. Es handele sich um nationalen Protektionismus, von der "Deutschland AG" war die Rede.

"Radikal-kommerzielle Vorstellungen"

Pleitgen hatte sich in der Verteidigung der vermeintlichen deutschen Interessen besonders hervorgetan. Murdoch und Malone hatte er in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" als Unternehmer mit "radikal-kommerziellen Vorstellungen" bezeichnet und gewarnt, die deutsche Kultur werde Schaden nehmen.

Jetzt sagte der ARD-Chef: "Wir sind sehr dafür, dass ausländische Investoren kommen - aber nicht so, dass sie am Ende allein übrig bleiben." Malones Vorhaben, einen eigenen digitalen Standard einzuführen, sei ein Affront gewesen, da sich alle deutschen Programmanbieter, inklusive Kirch, gerade auf einen einheitlichen Standard geeinigt hätten. Dieser Standard sei nicht verhandelbar. "Es gibt bestimmte Spielregeln, die beachtet werden müssen", sagte Pleitgen.

"Gut für die deutsche Medienlandschaft"

Pleitgen betonte, dass die ARD keine Angst vor Murdoch habe. Dessen Unternehmen News Corp. hatte zwar zuletzt abgelehnt, in die Kirch-Gruppe zu investieren, aber gilt dennoch weiter als heißer Anwärter. Für Pleitgen wäre es nicht das schlimmste Szenario: "Wenn Kirch fiele, würden wir sogar profitieren. Neben Murdoch scheint das Licht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks noch heller". Er sei aber zuversichtlich, dass die Kirch-Gruppe erhalten bleibe, sagte der 63-Jährige.

Die Schwäche der Kirch-Gruppe habe auch positive Folgen. "Die Entflechtung von Kirch und Springer ist gut für die deutsche Medienlandschaft", sagte Pleitgen. Die ARD profitiere hingegen nicht von der Verwundbarkeit des Rivalen - auch nicht im Geschäft mit den Fußballrechten, wie immer wieder spekuliert wurde. Die Fußballübertragung sei ein einträgliches Geschäft, das werde auch in Zukunft bei Kirch bleiben, sagte Pleitgen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.