Kinder-TV Kika greift Super RTL an

Der ARD-/ZDF-Sender Kika will sein Programm ausdehnen. Ab 2003 flimmern die Teletubbies bis 21 Uhr über den Bildschirm. Was aber passiert mit dem Kultursender Arte, mit dem sich Kika den Kabelplatz teilt?

Erfurt/Strassburg – Erst vor wenigen Wochen feierte der Kinderkanal Kika seinen fünften Geburtstag. Anfangs nur als einfacher Zweitverwertungssender für die Sendungen der ARD und ZDF belächelt, hat sich der TV-Sender längst einen Platz in den Kinderherzen und auch bei den ehemaligen Kritikern bemächtigt. Nach nur kurzer Zeit erreichte Kika bereits fast zehn Prozent der Kinder zwischen drei und 13 Jahren. Und was dem Sender vielleicht anfangs niemand zugetraut hätte: Er verdrängte den US-Kindersender Nickelodeon aus den deutschen Kabelnetzen. Nur wenig später wurde Nickelodeon sogar liquidiert.

Übrig geblieben ist der bislang einzige im Free-TV empfangbare Kinderkanal Super RTL. Und den will Kika nun gehörig ins Schwitzen bringen. Ab 2003 wird der Sender statt bis 19 Uhr bis 21 Uhr senden, und ab 2005 - mit Beginn der nächsten Gebührenperiode - soll das Programm sogar bis 22 Uhr on air gehen.

Super RTL ist bislang in der komfortablen Situation, als einziger Kinderkanal zur Primetime auf Sendung zu sein. Doch der Sender hat einen Nachteil, er ist werbefinanziert. Und die Werbeblöcke sind schon immer Dorn im Auge der Eltern gewesen. Ein Grund übrigens, warum Kika auch bei Eltern punktete. Flimmert doch Werbung bei dem Sender von ARD und ZDF nur in Form von Merchandising wie "Tabaluga tivi" oder dem "Käpt'n Blaubär-Club" über den Bildschirm.

Arte bald mit Nachmittagsprogramm

Befürchtungen, dass die verlängerte Sendezeit von Kika den Kulturkanal Arte verdrängen könnte, schwächt ein Sprecher des französisch-deutschen Kanals gegenüber manager-magazin.de schnell ab. Es sei reiner Zufall, dass sich Arte sich mit Kika die Frequenzen in den meisten deutschen Kabelnetzen teile. Arte habe aber bereits Mitte vergangenen Jahres einen Antrag bei den deutschen Landesmedienanstalten eingereicht, wonach es auch einen Platz für ein Nachmittagprogramm haben wolle. Denn der Sender produziert schon längst ein Programm für die Nachmittagsstunden – bislang in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich Haushalten mit Satellitenempfang vorbehalten.

Dies soll sich aber nach den Wünschen der Macher bald ändern. Bremen und Niedersachen machen es bereits vor. Hier gehen Kika und Arte seit wenigen Wochen getrennte Wege. Hamburg soll schon bald folgen. Die hamburgische Anstalt für neue Medien will dafür den Shoppingsender QVC verdrängen, der hat jedoch gegen die Entscheidung Widerspruch eingelegt. Ob beide Parteien einen Ausweg finden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Manche Eltern werden die Nachricht von Kika dennoch wohl eher beunruhigt zur Kenntnis nehmen. War doch 19 Uhr – tägliches Ende des Programms - genau der richtige Zeitpunkt, die Kinder ins Bett zu bringen. Nun müssen sie sich wohl auf längere Erklärungen einrichten, warum die Kinder schon zu Bett gehen sollen bevor der Sender seinen täglichen "Gute-Nacht-Gruß" gesendet hat.

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