Bundestag 9,5 Millionen Euro für neue Software

Die Microsoft-Lobby setzt sich durch. Nur auf den Servern des Bundestages soll Linux laufen.

Berlin – Auf rund 150 Servern des Bundestags soll ab 2003 an Linux laufen. Dafür soll Windows von Marktführer Microsoft abgeschafft werden. Eine entsprechende Empfehlung verabschiedete die Kommission des Ältestenrates für Informations- und Kommunikationstechnik am Donnerstag in Berlin mit den Stimmen von SPD und Grünen. Beide Parteien bewerten dies als einen Einstieg für den weiteren Einsatz von so genannten Open-Source-Produkten.

Anders sieht es beim Betriebssystem aus, das auf den Rechnern installiert werden soll. Die etwa 5000 Rechner an den Arbeitsplätzen der Abgeordneten sollen nämlich mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows XP ausgestattet werden, teilte der Kommissions-Vorsitzende Uwe Küster (SPD) mit.

Parteien begrüßen Open-Source

"Die öffentlichen Verwaltungen benutzen bundesweit eine Million Rechner, da gibt es noch viele Möglichkeiten, freie Software einzusetzen, besonders auf dem Desktop", sagte Andreas Gebhard, Initiator des parteiübergreifenden Zusammenschlusses von Parlamentariern, der Bundestux Initiative.

Die FDP-Fraktion begrüßte grundsätzlich den Einsatz von Open-Source-Produkten. Sie warnte jedoch vor den zu hohen Kosten. Sollte es bei dem Plan der Regierung bleiben, künftig auch die Abgeordneten-Arbeitsplätze mit Linux auszustatten, kämen auf den Steuerzahler Zusatzbelastungen in Millionenhöhe zu.

Wochen der Entscheidungsfindung

Die Kosten für die Umstellung liegen Küster zufolge nach heutigen Schätzungen bei circa 9,5 Millionen Euro, verteilt auf fünf Jahre. Hintergrund für die Umstellung beziehungsweise der Debatte ist das der Bundestag bislang mit dem Betriebssystem Windows NT arbeitet. Microsoft stellt jedoch die Unterstützung dieses Betriebssystems im kommenden Jahr ein. Die interne Diskussion im Bundestag über die künftige Ausstattung läuft bereist seit mehreren Monaten.