Kirch-Gruppe Breuers abgekartetes Spiel

Die Gläubigerbanken ringen weiter um die Reste des angeschlagenen Medienkonzerns. Die Deutsche Bank torpediert offenbar alle Lösungsvorschlage, um an Leo Kirchs lukrative Formel-1-Anteile zu kommen.

Frankfurt am Main - Eine Lösung der Finanzprobleme des Medienhändlers Leo Kirch rückt in immer weitere Ferne. Vor allem die Deutsche Bank will von einer gemeinsamen Strategie offenbar nichts mehr wissen. Stattdessen hat sie nach Informationen der "Financial Times Deutschland" eigene Pläne, die um die Formel-1-Anteile von Kirch kreisen.

Diese harte Position widerlege Gerüchte, es sei zu einer Annäherung der Deutschen Bank mit Kirch und den anderen Geldinstituten gekommen. Der künftige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und Firmengründer Leo Kirch hätten sich am Freitag nur zufällig am Rande einer Veranstaltung in München getroffen, hieß es nun. Von einer Mission zur Lösung der gespannten Beziehungen könne keine Rede sein.

Verlängerter Arm von DaimlerChrysler

Die Deutsche Bank will den Finanzdruck auf Kirch vor allem dazu nutzen, Zugriff auf den Formel-1-Veranstalter SLEC zu bekommen. Dort hat Kirch seit März 2001 die Mehrheit. Gemeinsam mit EM.TV hält er 75 Prozent, der Rest gehört Formel-1-Gründer Bernie Ecclestone. Die Deutschen Bank ist Großaktionär bei DaimlerChrysler.

Damit ist der Autokonzern als Miteigentümer des Grand-Prix-Teams McLaren-Mercedes treibende Kraft bei der Forderung, die Formel 1 solle in die Händen der Rennställe übergehen. Notfalls werde man eine Konkurrenzveranstaltung starten.

Deutsche Bank verlor schon einmal mit Formel-1-Deal

Der aktuelle Streit ist nicht der erste Fall, in dem die Deutsche Bank mit der Formel 1 zu tun hat. Als EM.TV Anfang 2000 den 50-Prozent-Anteil an der Formel-1-Holding übernahm, lief dieser Kauf über Zwischenhändler. Einer von ihnen war die US-Investmentbank Hellman & Friedman, der andere war die Deutsche-Bank-Tochter Morgan Grenfell Private Equity Ltd. (MGPE).

Was damals für die beiden Institute nach einem guten Deal aussah, wurde später zu einem Bumerang. Ein grosser Teil der Kaufsumme - nach Experten-Angaben rund 3,3 Milliarden Mark - wurde nämlich nicht in bar, sondern in Aktien bezahlt. Und die hat MGPE nach Aussagen von Branchenkennern nicht rechtzeitig vor dem EM.TV-Debakel abgestossen. Insgesamt wird der Buchverlust auf mehrere hundert Millionen Euro beziffert.

Kampf um Pfandrechte

Kirch hatte den Automobilherstellern vor Monaten vorgeschlagen, 25 Prozent der SLEC abzugeben. Die Autohersteller lehnten ab und machten Kirch vor zwei Wochen das Gegenangebot, die gesamte Formel 1 zu übernehmen. Diesmal winkte Kirch ab.

Noch diese Woche könnte die Deutsche Bank nun ein neues Angebot vorlegen: Knapp 50 Prozent sollen an die Autohersteller gehen, der Rest bei Kirch bleiben. Unklar ist der Preis. Kirch hat nach eigenen Angaben 1,55 Milliarden US-Dollar in seine rund 57 Prozent an der SLEC investiert und fordert offenbar zwei Milliarden. Kirch-Vize Dieter Hahn hat zudem klar gemacht, dass Kirch sich nur als letzten Ausweg von der SLEC trennt.

Nach der Deutschen Bank sei nun auch die Dresdner Bank weitgehend isoliert, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". In einem Schreiben an Kirch sollen die übrigen Gläubigerbanken wie Bayerische Landesbank, HypoVereinsbank, Commerzbank und DZ Bank die Rechtswirksamkeit von erstrangigen Sicherheiten der Dresdner Bank in Frage gestellt haben.

Die Dresdner Bank hat der Zeitung zufolge ein - möglicherweise zu spät - eingetragenes Pfandrecht auf die Beteiligung von Kirch an dem Fernsehsender Telecinco. Wenn diese Beteiligung wie geplant verkauft werde, solle Kirch mit dem Erlös den Kredit der Dresdner Bank von 460 Millionen Euro zurückzahlen, der im April fällig wird.

Vor allem die DZ Bank, bei der Kirch im Wesentlichen kurzfristige, offenbar nachrangig besicherte Betriebsmittelkredite von 400 Millionen Euro ausstehen habe, sei erbost über die Eintragung des Pfandrechts der Dresdner, die mit Zustimmung der Minderheitsaktionäre von Kirch erfolgt sein soll.

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