Tomorrow Focus/GMX Partner in Scheidung

Der Online-Vermarkter verliert mit seinem Kunden GMX die Spitzenposition unter den Internet-Vermarktern. Doch GMX wechselt nicht nur - sondern scheidet demnächst auch aus der IVW-Zählung aus.

Hamburg – Im Januar zählte der Internet-Werbevermarkter Tomorrow Focus  noch 708 Millionen Page-Impressions (PI), die ihm die Zugriffe auf sein Website-Portfolio einbrachten. Doch die Zeiten derartiger Spitzenwerte nähern sich schon bald dem Ende.

Ab April hat Tomorrow Focus einen seiner stärksten Kunden weniger. Der E-Mail-Service-Anbieter GMX hat sich entschlossen, den Vertrag mit seinem bisherigen Vermarkter zu beenden (482 Millionen PIs im Januar). Die Content-Partnerschaft, die zwischen den beiden Vertragspartner besteht, soll von dieser Entscheidung jedoch nicht berührt sein. Auch weiterhin will Tomorrow Focus die GMX-Kanäle Lifestyle und Singels mit Inhalten bestücken.

Portfolio-Bereinigung

Für Tomorrow Focus ist dieser Schritt dennoch ein herber Verlust - verliert doch der Internet-Vermarkter seinen Spitzenposten vor allen anderen Wettbewerbern in Deutschland. Ab April rutscht er, sollte sich nicht noch ein neuer Großkunde finden, in seiner PI-Stärke im IVW-Ranking unter den RTL-Vermarkter IP Online (330 Millionen PI im Januar). Auch schrumpft der Abstand zum Quality Channel (QC), einem Unternehmen der SPIEGELnet AG, deutlich. Im Januar vermarktete der QC rund 222 Millionen PIs.

Tomorrow Focus könnte sogar noch weiter nach unten rutschen, da damit zu rechnen ist, dass das Online-Unternehmen sein Portfolio weiter bereinigen wird. "Was nützen viele Page-Impressions, wenn sie nicht vermarktet werden können", sagte Kai Oberbeck, Sprecher bei Tomorrow Focus, gegenüber manager-magazin.de. Die Werbeflaute fordert ihren Tribut.

Strategischer Rückzug

Doch nicht, dass der Eindruck entstünde, GMX ließe sich nicht vermarkten. Die Trennung von Tomorrow Focus erfolgt auf Wunsch von GMX, stellte Oberbeck klar. "Wir ziehen uns aus strategischen Gründen im Bereich Vermarktung von Tomorrow Focus zurück", begründete auch die GMX-Sprecherin Marion Schanzer gegenüber manager-magazin.de.

Der E-Mail-Service-Provider will sich künftig selbst vermarkten. Dabei erhält das Unternehmen die Unterstützung des Vermarkters Adlink. Die Wahl ist nicht zufällig, gehören doch beide Unternehmen zum Portfolio der Holding United Internet  .

Trotz des herben Verlusts gibt sich Tomorrow Focus nicht enttäuscht. Das Unternehmen hätte ohnehin demnächst die PIs von GMX verloren, heißt es, denn GMX wird ab April aus der IVW-Zählung ausscheiden. Damit könnte auch Tomorrow Focus diese Zugriffe nicht mehr angeben und verlöre seinen Spitzenplatz im IVW-Ranking.

"IVW-Zahlen sind kein schlagkräftiges Argument mehr"

GMX-Sprecherin Schanzer bestätigt und begründet den Schritt: "Die IVW-Zahlen sind kein schlagkräftiges Argument mehr für die Werbetreibenden." Abschied von einer gemeinsamen Einheit, heißt es damit.

Während sich im Printbereich die IVW-Zahlen als mehr oder weniger gewinnträchtige Währung für Verlage und Werbungtreibende entwickelt haben, streiten sich die Online-Unternehmen und Internet-Experten bis heute um die Aussagekraft der IVW-Zahlen im Internetbereich.

Kritisiert wird die Erhebung, das Regelment sowie die Dominanz der Klickzahlen gegenüber der "Viewtime" - der Zeit, die ein Nutzer auf einer Seite verbringt. Doch wie auch immer dieser Konflikt ausgehen mag - für die Werbe-Branche heißt es in Sachen Nutzungszahlen künftig, den GMX-Angaben blind zu vertrauen. Es gebe genügend Angebote, die auf eine IVW-Zählung verzichteten, meinte Schanzer. Yahoo und EBay sind die Vorbilder. "Bei denen wird ja trotzdem geworben", so die Sprecherin.