Kirch-Gruppe Die Felle werden verteilt

Die Gerüchteküche brodelt. Leo Kirch will nun angeblich seinen Pay-TV-Kanal Premiere World verkaufen. Medienmogul Rupert Murdoch soll interessiert sein, Bertelsmann-Chef Middelhoff winkt dankend ab.

München – Nach jahrelangen Milliarden-Investitionen hat sich Leo Kirch offenbar doch dazu entschlossen, seinen Pay-TV-Sender Premiere World aufzugeben und zu verkaufen - ist doch der Sender ein Kern des Übels für Kirchs desolate Finanzsituation.

Der angeschlagene Medienunternehmer aus München soll nun bereit sein, seinem bisherigen Mitgesellschafter Rupert Murdoch auch einen größeren Einstieg ins Fernsehgeschäft der Kirch-Media zu ermöglichen, berichtete die "Financial Times". Kirch werde Murdoch noch in dieser Woche kontaktieren, heißt es.

Murdoch besitzt eine Verkaufsoption für den 22 Prozent-Anteil an "Premiere World", die der Medienmann noch in diesem Jahr wahrnehmen könnte. Damit würde er jedoch Kirch einmal mehr arg in Bedrängnis bringen.

Doch der Medienmann Murdoch lässt sich nicht lange Bitten. Am Dienstag soll er bereits in Berlin mit Banken und anderen Medienunternehmen über die Übernahme des verlustreichen Bezahlsenders Premiere von der angeschlagenen Kirch-Gruppe verhandelt haben. An den Gespräch soll auch Bertelsmann teilgenommen haben, hieß es in Branchenkreisen. Das könne darauf hindeuten, dass Murdoch die Übernahme von Premiere offenbar zusammen mit Bertelsmann plant. Der Gütersloher Medienkonzern will davon jedoch nichts wissen. "Das ist Unsinn", kommentierte ein Bertelsmann-Sprecher die Spekulationen. Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender Thomas Middelhoff erklärte, zu einem möglichen Einstieg ins wankende Kirch-Imperium: "Kein Interesse."

Murdoch greift nach Kirch-Media

Presseberichten zufolge will es Murdoch dagegen nicht nur bei einem Zukauf bei Premiere World belassen. Schon im vergangenen Jahr war über eine feindlichen Übernahme von Kirch seitens Murdoch spekuliert worden. Nun heißt es wieder, Murdoch wolle nach Angaben aus Kirch-nahen Kreisen bei der Filmproduktions- und Rechtehandelsgesellschaft Kirch-Media mit einem größeren Paket einsteigen, wogegen sich die hoch verschuldete Kirch-Gruppe aber weiter wehrt.

Natürlich seien Kirch und Murdoch als Partner im Bezahlfernsehsender Premiere in Gesprächen über die Zukunft des Engagements des australischen Unternehmers bei Kirch, hieß es weiter.

Ob Kirch sich jedoch langfristig gegen den finanzstarken Murdoch wehren kann, ist fraglich. Um die finanzielle Not zu begrenzen plant Kirch derzeit die Verkäufe mehrerer Beteiligungen. Wie die "Financial Times" berichtet, habe sich Kirch dazu entschlossen, seinen 58,3-Prozent-Anteil an der Formel-1 zu verkaufen. Kirch wolle demnächst Angebote für den Anteil an der Formel-1-Vermarktungsgesellschaft SLEC erbitten.

Darüber hinaus wird Kirch wahrscheinlich seinen Anteil an dem Axel Springer Verlag verkaufen. Die Interessenten stehen dabei Schlange. Neben der HypoVereinsbank und Dresdner Bank werden auch die WAZ sowie Friede Springer gehandelt. Auch Kirchs Aktienpaket an dem profitablen, spanischen TV-Sender Telecinco soll veräußert werden. Einer der Käufer soll Silvio Berlusconi sein.