Propaganda Die Lügen der Profis

Glaubwürdigkeit spielt keine Rolle. Das Pentagon überlegt angeblich, mit Falschmeldungen im Ausland gute Stimmung zu machen.

New York – Der US-Regierung hagelt es offensichtlich zu viel Kritik. Nun will das Pentagon einschreiten und für gute Stimmung sorgen. Einem Zeitungsbericht zufolge erwägt nämlich das US-Verteidigungsministerium, Medien im Ausland gezielt mit Falschmeldungen zu füttern, um negativer Berichterstattung über die USA entgegenzutreten. Die Vorschläge seien innerhalb der Regierung jedoch heftig umstritten, berichtete die "New York Times".

Dabei sollten ausländische Medien sowohl in befreundeten als auch in feindlich gesinnten Ländern mit echten und falschen Nachrichten versorgt werden. Die Quelle solle immer so verschleiert werden, dass nicht ersichtlich sei, dass das Material vom amerikanischen Militär komme, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Pentagonbeamte.

Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Die konkreten Vorschläge seien von dem "Büro für strategische Information" erarbeitet worden, hieß es. Das Büro war nach den Terroranschlägen vom 11. September eingerichtet worden. Damit wollte die US-Regierung Tendenzen zu einem negativen USA-Bild in aller Welt entgegentreten. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld lasse die Vorschläge gerade von einen Justiziar prüfen, schrieb die Zeitung.

Kritiker befürchteten, dass die Glaubwürdigkeit des Pentagon mit einer solchen Propagandaoffensive schwer geschädigt würde. Das neue Büro hole "alle möglichen Instrumente innerhalb des Verteidigungsministeriums hervor, um ausländisches Publikum zu Beeinflussen", erklärte der frühere Armeeoberst Thomas Timmes nach Angaben der Zeitung vor kurzem auf einer Konferenz.

E-Mails an die Kritiker

Andere Vorschläge seien, einflussreichen Politikern und Journalisten E-Mails mit dem Standpunkt der US-Regierung zu schicken. Auch dabei solle der Absender zumindest nicht auf den ersten Blick erkenntlich sein. Vorschläge gebe es auch zu verdeckten Einsätzen im Ausland, um Falschinformationen zu produzieren. Das ist dem Pentagon und dem Geheimdienst CIA eigentlich verboten.

In den 70er Jahren waren Gesetze entsprechend geändert worden, als sich herausstellte, dass derart gezielte Falschinformationen über Korrespondenten auch den Weg in amerikanische Zeitungen fanden. Das Pentagon produzierte in den 80er Jahren Radioprogramme mit Propaganda gegen die sandinistische Regierung in Nicaragua, die in der Region ausgestrahlt wurden. Auf dem Balkan wurde mit Radioprogrammen in den 90er Jahren für öffentliche Unterstützung der amerikanischen Friedenstruppe geworben.

Kritiker hätten aber zu bedenken gegeben, dass die Regierungen befreundeter Staaten gegen einige der Pentagon-Vorhaben protestieren könnten, berichtete die Zeitung. "Jeder versteht, das Informationskampagnen gegen feindlich gesinnte Länder eingesetzt werden. Manche hier finden es aber problematisch, wenn dieselben Methoden in befreundeten Ländern angewendet werden sollen", zitiert die Zeitung einen Pentagonbeamten.