Globalstar Jäher Absturz

Der Anbieter von Satellitentelefon-Geräten hat Gläubigerschutz beantragt.

Los Angeles - Der amerikanische Satellitentelefon-Betreiber Globalstar LP hat bei einem US-Bundesgericht Gläubigerschutz nach Kapitel elf des Konkursrechts beantragt. Das im kalifornischen San Jose ansässige Unternehmen war nach eigenen Angaben mit 3,4 Milliarden Dollar verschuldet.

Nach Angaben von Globalstar-Chef Olof Lundberg ist die Gesellschaft trotz der Finanz-Probleme zuversichtlich, den Geschäftsbetrieb für die verbliebenen 66.000 Kunden reibungslos fortführen zu können. Globalstar habe seit der Ankündigung des Konkursantrages im November 2001 gemeinsam mit seinen Hauptgläubigern einen Restrukturierungsplan ausgearbeitet. Dieser sehe die Gründung einer neuen Gesellschaft vor, deren Eigentümer die jetzigen Inhaber von Schuldverschreibungen und andere unbesicherte Gläubiger sein werden.

Vermögenswerte werden auf neue Firma übertragen

Sämtliche Globalstar-Vermögenswerte einschließlich der Satelliten würden auf das neue Unternehmen übertragen. Zudem werde die neue Firma alle Kapitalanteile der Globalstar USA, Globalstar Caribbean und Globalstar Canada erwerben, die derzeit von Vodafone  und Loral Space & Communications Ltd  gehalten werden.

Ursache für die finanziellen Probleme bei Globalstar waren unter anderem hohe Betriebskosten und dadurch hohe Kosten für die Kunden sowie inattraktive, schwere Satellitentelefone. Mit der Umstrukturierung soll nach den Worten von Firmensprecher Mack Jeffrey die Unsicherheit beseitigt werden.

Zudem hoffe das Unternehmen, neue Kunden zu gewinnen. Die gegenwärtig verfügbaren Barmittel von Globalstar bezifferte er mit 46 Millionen Dollar. Allerdings seien nach Abschluss des Konkursverfahrens neue Investitionen erforderlich.

Gründung im Jahre 1994

Die Gesellschaft war 1994 mit dem Ziel gegründet worden, ein weltweites Mobiltelefonsystem anzubieten. 1995 hatte sich die zum italienischen Staatskonzern Finmeccanica SpA gehörende Untergruppe Alenia mit sechs Prozent an Globalstar beteiligt.

Einige Jahre zuvor hatte bereits Motorola im Verbund mit 17 weiteren Investoren sein ehrgeiziges Iridium-Programm gestartet. Geplant war, ein weltumspannendes Netz niedrig fliegender Satelliten zu errichten, das nach damaliger Prognose inklusive aller Nebenkosten 2,5 Milliarden Dollar kosten sollte.

66 Iridium-Satelliten ins All geschossen

Tatsächlich gelang es dem Unternehmen, binnen weniger Jahre über 70 Satelliten in 780 Kilometer Höhe über der Erde zu platzieren - dann jedoch kam das Aus: Nachdem mehr als zehn Milliarden Mark investiert worden waren, beantragte das Betreiber-Konsortium im August 1999 Gläubigerschutz.

Nach Einschätzung von Experten war das ambitionierte Vorhaben vor allem daran gescheitert, dass die Mobilfunk-Entwicklung schneller verlief als ursprünglich gedacht. Als die ersten Iridium-Trabanten in den Orbit geschossen wurden, gab es bereits ein nahezu flächendeckendes Netz erdgebundener Mobilfunkstationen. Damit war die Satelliten-Technik weitgehend überflüssig geworden.

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