Kirch-Krise Angst vor dem Abpfiff

Bei den Bundesliga-Managern kommt langsam Panik auf. Ein Zusammenbruch der Kirch-Gruppe könnte viele Vereine in den Ruin treiben. Der FC Bayern fühlt sich ausgegrenzt.

Hannover - Die hektisch einberufene Sitzung in Düsseldorf zeigt, wie ohnmächtig und ratlos der Profi-Fußball angesichts der Kirch-Krise ist. Nach Rücksprache mit Bundeskanzler Gerhard Schröder traf sich Wolfgang Clement, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, mit ausgewählten Spitzenmanagern des Deutschen Fußballs: Werner Hackmann, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Reiner Calmund (Bayer Leverkusen) und Michael Maier (Borussia Dortmund). Mit von der Partie war auch Staatssekretär und Schröder-Intimus Alfred Tacke.

Ein Ergebnis brachte das Treffen nicht, nur den Ärger anderer Branchengrößen. "So behandelt man keine Partner, indem man auf erste Gerüchte sofort hektisch reagiert. Das ist nicht in Ordnung, das war eine regionale Veranstaltung", wetterte der Vizepräsident des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge.

"Wenn Dinge klar auf dem Tisch liegen, kann man darüber befinden. Aber die Dinge liegen im Moment nicht klar auf dem Tisch. Keiner weiß genau, was los ist", warnte Rummenigge vor Panikmache. Die Teilnehmer des Gespräches in der Düsseldorfer Staatskanzlei sind da anderer Meinung. "Wir haben als Bundesliga-Manager die Pflicht, uns eine solche Lage vorzustellen", sagte BVB-Manager Meier. "Es ist unsere Sorgfaltspflicht, jetzt mit Banken und der Politik zu sprechen", pflichtete ihm Kollege Calmund bei. Ministerpräsident Clement wurde noch deutlicher. Ohne die Kirch-Überweisungen käme die Hälfte aller Bundesligaclubs in ernste finanzielle Schwierigkeiten, sagte er der "Bild am Sonntag".

Kirchs Zahlungsmoral steht am kommenden Freitag auf dem Prüfstand. Dann soll die nächste Rate in Höhe von rund 100 Millionen Euro aus dem TV-Vertrag über die Bundesliga bei der DFL eingehen. Der mit 1,53 Milliarden Euro dotierte Vierjahresvertrag läuft bis 2004 und sieht pro Jahr durchschnittlich rund 380 Millionen Euro für den Profi-Fußball vor.

Die 38 Vereine der 1. und 2. Liga verlassen sich bei der Finanzierung ihrer Mannschaften vor allem auf die Einnahmen aus der Fernsehvermarktung. Sollte das Kirch-Imperium wirklich kippen, droht auch dem Fußball ein Kollaps.

Möglicherweise muss sich das Münchner Medienunternehmen vom defizitären Pay TV-Sender Premiere World trennen, der nun im zweiten Jahr alle Bundesliga-Spiele live überträgt, alle Formel 1-Rennen zeigt und erstmals auch Olympische Spiele live aus Salt Lake City anbietet. Es war gerade die Aussicht auf Pay-TV-Einnahmen, wegen derer die KirchGruppe der DFL hohe Summen geboten hat und sich damit die Bundesliga-Rechte sicherte.

Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn räumte erstmals öffentlich die schwierige Finanzsituation des mit rund sechs Milliarden Euro verschuldeten Münchener Konzerns ein. "Perspektivisch können wir im Laufe des Jahres Liquiditätsprobleme bekommen. Unsere Kernaufgabe seit Monaten ist, dass sich die Kapitalstruktur von Premiere verbessern wird. Das Thema müssen wir lösen", sagte er der "Welt am Sonntag".