RTL/ProSieben Nicht jugendfrei?

Zu brutal, zu schlüpfrig - mehrere Sendungen wurden als jugendgefährdend beanstandet.

München - Die Fernsehsender RTL und ProSieben müssen mit Bußgeldern wegen jugendgefährdender Sendungen rechnen. Die Gemeinsame Jugendschutzstelle der Landesmedienanstalten in München erklärte am Mittwoch, die Sender hätten mit einer Programmankündigung zum Krimi "Abschnitt 40" beziehungsweise der Ausstrahlung des Horrorfilms "Bram Stokers Legend of the Mummy" gegen die Jugendschutzbestimmungen des Rundfunkstaatsvertrages verstoßen. Ins Visier der Jugendschützer gerieten zudem schlüpfrige "Dating"-Angebote auf Videotext-Seiten.

Die Jugendschutzstelle empfahl den zuständigen Landesmedienanstalten, "rechtsaufsichtliche Maßnahmen zu ergreifen". Dazu zählen nach Angaben der Stelle auch Strafgelder. Es hieß, zahlreiche Gewalt- und Horrorszenen in den beanstandeten Sendungen, die zum Teil ohne ersichtlichen Zusammenhang aneinander gereiht worden seien, könnten nachhaltige Ängste und Schockzustände bei Kindern unter zwölf Jahren auslösen. Die Ankündigung des Krimis "Abschnitt 40" wurde am 13. Mai 2001 nachmittags von RTL ausgestrahlt; der Horrorfilm am 28. Oktober 2001 im Vormittagsprogramm von Prosieben.

Der Ton wird deutlich schärfer und aggressiver

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, dass das bayerische Landesjugendamt im Auftrag des Sozialministeriums das so genannte "Dating"-Videotextangebot des in München ansässigen Senders RTL2 überprüfe. Als Mediendienst unterliege der Videotext nicht den Landesmedienanstalten, sondern den Jugendschutzeinrichtungen der Länder. Der Ton der Werbung für Telefonsex-Nummern bei den Sendern sei in den vergangenen Monaten deutlich schärfer und aggressiver geworden, schrieb die Zeitung.

In dem Bericht hieß es, problematisch sei vor allem, dass Kinder und Jugendliche rund um die Uhr Zugang zu den Angeboten hätten, während noch vor einigen Monaten die meisten der Tafeln erst nach 20.00 Uhr oder sogar 22.00 Uhr freigeschaltet worden seien. Eine erste Sichtung der rund 200 RTL2-Seiten habe ergeben, dass die Inhalte stark jugendgefährdend seien. Nach Abschluss der Prüfung drohten dem Sender neben einer Abmahnung plus Geldbuße auch ein Sendeverbot für die entsprechenden Seiten vor 22.00 Uhr oder sogar ein komplettes Sendeverbot.

Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten kündigte nach einer Sitzung in Mainz eine engere Zusammenarbeit mit der im Auftrag der Länder tätigen Arbeitsstelle jugendschutz.net an. Ziel der Kooperation im Rahmen von Projekten sei die Überwachung so genannter Rundfunkaffiner Medienangebote, also zum Beispiel Internet-Angebote privater TV-Veranstalter, im Hinblick auf kinder- und jugendschutzrelevante Probleme.

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