Tomorrow Focus Von Gewinn keine Spur

Wieder mal das alte Spiel: Erst lockte man die Aktionäre mit großen Verheißungen ("Break even im Herbst 2001"), jetzt folgen Prognose-Korrekturen, tiefrote Zahlen und weitere Versprechen.
Von Clemens von Frentz

München/Hamburg - Für die Aktionäre der Internet-Gesellschaft Tomorrow Focus  beginnt der neue Börsenmonat mit schlechten Nachrichten. Wie das Unternehmen am Dienstagmorgen mitteilte, ist im aktuellen Jahr mit schwarzen Zahlen im Kerngeschäft nicht mehr zu rechnen.

Stattdessen senkte der Vorstand seine Prognose für das Konzernergebnis 2002 auf minus 4,5 bis minus 5 Millionen Euro nach Steuern. Das entspricht einem Vorsteuerverlust von 7,5 bis 9 Millionen Euro.

Noch vor einem Jahr hatte der Vorstand der Hamburger Tomorrow Internet AG (TIAG), die damals noch nicht mit der Focus Digital AG fusioniert war, deutlich optimistischere Prognosen verbreitet. Dem Fachblatt "Horizont" sagte TIAG-CEO Christian Hellmann kurz nach Silvester 2000: "Die nackten Zahlen sprechen für uns. Wir haben den Umsatz im vergangenen Jahr enorm steigern können und wollen unseren Break even nun auf das dritte Quartal 2001 vorziehen. Das ist früher als geplant und rekordverdächtig für Unternehmen am Neuen Markt."

Große Versprechungen des

Ähnlich enthusiastisch äußerte sich Verleger, TIAG-Großaktionär und -Aufsichtsrat Dirk Manthey, dessen "Verlagsgruppe Milchstrasse" das Unternehmen am 30. November 1999 an den Neuen Markt gebracht hatte.

Ende Dezember 2000 beispielsweise sagte er dem Branchendienst "Der Kontakter": "Ich gehe fest davon aus, daß unsere AG im nächsten Jahr den geplanten Break even erreicht. Bisher hat die AG alle Prognosen deutlich übertroffen. Waren ursprünglich in diesem Jahr 21 Millionen Mark Umsatz geplant, so wird die AG bei etwa 28 Millionen Mark abschließen."

Die Aktie konnte von diesen Ankündigungen deutlich profitieren. Innerhalb weniger Wochen verdoppelte sich ihr Kurs.

Danach allerdings setzte der Titel seine Talfahrt fort. Eine Entwicklung, an der auch der Zusammenschluss mit der ebenfalls angeschlagenen Focus Digital AG nichts änderte, obwohl die Ersparnisse durch die Fusion vom Unternehmen selbst auf 25 Millionen Euro im aktuellen Jahr beziffert wird.

Trotz der enttäuschenden Zahlen gibt sich der aktuelle Vorstand weiter optimistisch. In der aktuellen Ad-hoc-Meldung heißt es: "Den Break Even im Konzern will das Unternehmen in 2003 erreichen."

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