Kommentar Ende des Burgfriedens

Durch den Verkauf der ProSiebenSat.1-Anteile ändert sich nicht nur der Kontostand des Axel Springer Verlags. Der Untergang des Kirch-Imperiums wurde eingeläutet, meint mm.de-Redakteur Karsten Schmidt.

So also endet der Burgfrieden in der großen, bunten Medienwelt. Schuld daran ist wieder einmal die Frage nach der Macht und die nach dem Geld. Friede Springer lässt ihren ungeliebten Verbündeten Leo Kirch fallen. Nicht sie persönlich hat ihm den Tiefschlag versetzt, sondern ihr Statthalter Mathias Döpfner. Der hatte noch vor kurzem verkündet, der Axel Springer Verlag habe durchaus nicht die Absicht, die Kirch-Gruppe mit der Ausübung seiner Verkaufsoption an den Rand des eh schon dräuenden Ruins zu treiben.

Alles nur Show?

Nein, für Leo Kirch hat sich das Blatt gewendet. Er ist so klamm wie noch nie. Die Verbindlichkeiten summieren sich auf geschätzte sechs Milliarden Euro, Premiere schreibt Milliardenverluste, der Kursverlauf der ProSiebenSat.1 Media AG bietet ein Bild des Jammers. All das wog so lange nicht schwer, wie Kirch sich auf seine Verbündeten verlassen konnte. Diese verhinderten Gerüchten zufolge den Einstieg von John Malone in das deutsche Kabelnetz. Durch die Ausübung der Verkaufsoption ist die Allianz der Bündnis-Gefährten zerbrochen. Spätestens in drei Monaten endet der Burgfrieden der deutschen Medienriesen.

Um die geforderte Summe aufzubringen, muss Kirch seinen Anteil am Axel Springer Verlag verkaufen. Der gehört bereits zum größten Teil der Deutschen Bank, die dann knapp 40 Prozent an dem Hamburger Großverlag halten würde. Auch die Dresdner Bank erhebt Ansprüche, ebenso wie die Bayerische Landesbank, bei der Kirch mit 2,3 Milliarden Euro in der Kreide steht. Deren Entscheidungen sind im Zweifelsfall von Kirchs Duz-Freund Edmund Stoiber mitbestimmt. Sollte es Stoiber nicht gelingen, Kirch die entscheidenden Finanzspritzen zu verschaffen, ist das Ende des Medienimperiums nur noch eine Frage der Zeit.

Verwandte Artikel