Axel Springer Verlag Kirch muss zahlen

Keine Gnade mit Kirch. Der Verlag will seine Anteile an ProSiebenSat.1 an Kirch verkaufen. Der steht mit dem Rücken zur Wand, rund 800 Millionen Euro sind fällig. Jetzt zieht er den letzten Joker aus dem Ärmel: Die Verkaufsoption sei rechtswidrig, so seine Justiziare.

Hamburg - Jetzt ist Leo Kirch am Zug. Er will rechtliche Schritte gegen den Axel Springer Verlag einleiten. Die im Jahr 2000 vereinbarte Verkaufsoption für die Springer-Anteile an der ProSiebenSAT.1 Media AG sind nach Ansicht seiner Justitiare unwirksam.

Dies werde durch ein Rechtsgutachten bestätigt, erklärte das Unternehmen am Mittwoch. So seien bei der notariellen Beurkundung dieser Option auf Wunsch von Springer wesentliche Vertragselemente bis zum heutigen Tag nicht geregelt. Daher seien in den vergangenen Wochen Verhandlungen über eine Neustrukturierung der Transaktion geführt worden.

Verhärtete Fronten

Der Verlag habe die von Kirch unterbreiteten Vorschläge ungeachtet der rechtlichen Bedenken des Münchener Medienkonzerns zurückgewiesen und auf den Vollzug der Option bestanden. Daher müsse KirchMedia nun "die erforderlichen rechtlichen Schritte einleiten". Dennoch sollen die Gespräche zwischen beiden Unternehmen fortgesetzt werden.

Große Teile des Springer-Pakets seien als stille Beteiligungen gehalten worden, hieß es ferner aus Branchenkreisen. Diese seien allerdings nicht beurkundet worden, da sie sonst steuerpflichtig geworden wären, hieß es in den Kreisen.

Wie der Axel Springer Verlag  heute Mittag ad hoc mitteilte, will er seine Verkaufsoption an ProSiebenSat.1  wahrnehmen. Damit wird Kirch in die Enge getrieben. Denn der Medienmann steckt bereits in massiven Finanzproblemen.

Jahrelang hat Leo Kirch in sein Unternehmen investiert - und dabei Milliardenschulden angehäuft. Nun muss er 800 Millionen Euro zahlen. Dabei ist der Wert der 11,5-Prozent-Beteiligung, die Springer an dem Gemeinschaftsunternehmen bislang hält, keine 56 Millionen Euro schwer.

Seit Wochen haben die beiden Unternehmen verhandelt. Kirch versuchte Medienberichten zufolge, den Verlag davon zu überzeugen, ihm einen Schuldenaufschub zu gewähren. Doch die Entscheidung des Axel Springer Verlags, der sich selbst einem rigiden Sparkurs verschrieben hat, fiel offenbar gegen Kirch aus.

Verhandlungen in alle Richtungen

Wie der Verlag am Mittwoch in einer Ad-hoc-Mitteilung meldete, haben der Vorstand und der Aufsichtsrat beschlossen, die Option auszuüben. Der Kaufpreis sei innerhalb von drei Monaten fällig, hieß es. Wo der Münchener Medienmogul das Geld hernehmen soll, ist unklar.

Kirch arbeitet bereits seit Monaten daran, Geld zusammenzukratzen. Unter anderem versucht er, einen geeigneten Käufer für seinen Anteil an dem profitablen spanischen TV-Sender Telecinco zu finden. Bislang ohne Erfolg - auch wenn Gerüchten zufolge Silvio Berlusconi auf das Angebot eingehen will. Abgeschlossen sind die Verhandlungen noch nicht.

Doch auch wenn Kirch seine Anteile verkaufen sollte, sie werden kaum ausreichen können, bei den Forderungen, die auf Kirch zukommen. Denn nicht nur der Axel Springer Verlag will Geld - demnächst könnte auch Medienmogul Rupert Murdoch von seiner Put-Option bei Kirchs erfolglosem Pay-TV-Sender Premiere World Gebrauch machen.

Akute Begehrlichkeiten

Dann stehen rund 1,9 Milliarden Euro im Raum, die bezahlt sein wollen. Murdoch hat aber bereits öffentlich darüber nachgedacht, den Sender ganz übernehmen zu wollen. Bis Sommer soll der Verkauf über die Bühne gegangen sein, hieß es.

Darüber hinaus stehen auch verschiedene Bankhäuser Schlange, bei denen Kirch mit Millionenkrediten in der Kreide steht. Darunter die Deutsche Bank  mit 615 Millionen Euro, die Dresdner Bank  mit 460 Millionen Euro und die HypoVereinsbank  mit 460 Millionen Euro. Die Dresdner Bank hat dabei die Kreditlinie gerade nur bis April verlängert.

Aktientausch

Wie geht es nun weiter? Eine Pleite von Kirch scheint auf den ersten Blick schwerlich abzuwenden zu sein. Zumindest ist eine Aufspaltung des Konzerns kaum zu vermeiden. Wie manager magazin bereits berichtete, sollen Kirchs Berater den Münchener Unternehmer bereits davon überzeugt haben.

Auch wenn sicherlich nicht alle Kredite und Schulden bezahlt werden können, der Axel Springer Verlag könnte zumindest noch glimpflich davonkommen. Kirch hält ein Aktienpaket von rund 40 Prozent der Anteile an dem Verlagshaus, dass 800 Millionen Euro wert ist. Das könnte der Verlag zum Teil verlangen. Damit hat Kirch jedoch den 615-Millionen-Euro-Kredit Kredit bei der Deutschen Bank gedeckt.

Alexandra Knape


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