Fußball Streitpunkt Digitalfernsehen

Es ist mal wieder so weit - die ARD und Kirch streiten sich über die Übertragung der Weltmeisterschaft.

München - 2002 wird ein Fußballjahr. Weltweit fiebern die Nationalmannschaften den Wettkämpfen entgegen. Während sich die auserwählten Spieler für die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 stählen, üben sich die ARD und Medienmann Leo Kirch in einem ihnen eigenen Sport: dem Streit um die Fußballübertragungsrechte.

Im vergangenen Jahr war es die umstrittene Bundesliga-Berichterstattung in der "Tagesschau", die über Wochen hinweg die fußballbewegten Gemüter in Rage brachte. In diesem Jahr kracht es, wegen der TV-Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaften.

Die Unstimmigkeiten entstanden, weil die ARD mit einer speziellen Digitaltechnik auch Zuschauer erreichen möchte, die nur digital ausgestrahlte Programme empfangen, bestätigte Dieter Hoff, technischer Direktor beim WDR. Kirch lehne dies jedoch ab, weil es gegen den Vertrag zwischen ARD und dem Konzern verstoße, sagte Kirch-Sprecher Hartmut Schultz.

Dabei haben doch ARD und ZDF 250 Millionen Mark für die Live-Übertragungsrechte für 24 der 64 Spiele der WM in Japan und Südkorea von Kirch gekauft. Allerdings sieht der Vertrag, den die beiden Streithähne im vergangenen Mai abschlossen, nur analoge Satelliten-Übertragungen vor. Weitere Klausel: Die Spiele dürfen zudem ausschließlich in Deutschland zu sehen sein.

Kirchs Einwand ist einerseits nachzuvollziehen, denn im Ausland hat er ebenfalls die Rechte verkauft. Jedoch so stringent wie die Argumentation vermuten lässt, sind die Verkäufe nicht. In Spanien und Polen zum Beispiel verkaufte der Kirch-Konzern die Exklusiv-Rechte für die WM-Übertragung an digitale Abosender. Bei einer Übertragung im Digital-TV von ARD und ZDF hält Kirch jedoch nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" die Exklusivität für gefährdet. Kirch befürchtet, dass ARD und ZDF die WM europaweit digital und nicht vollständig verschlüsselt ausstrahlen werden.

Die ARD will deshalb laut Hoff beim Digital-TV eine Spezial-Signalisierung anwenden. Die Spiele könnten auf einem zusätzlichen Kanal gezeigt werden, der für Kunden ausländischer Bezahl-Sender nicht empfangbar sei. Technisch sei dies möglich, sagte Hoff.

Der Kirch-Konzern ist anderer Meinung: "Das funktioniert nicht", beurteilte Schultz eine ARD-Präsentation beim Münchener Medienkonzern. Es habe sich nicht um eine richtige Verschlüsselung gehandelt, das Programm sei teilweise empfangbar geblieben. Kirchs vertragliche Rechte werden laut Schultz nicht gewahrt. Nach Hoffs Worten hält die ARD diese Begründung nicht für stichhaltig.

Betroffen sind laut Hoff rund eine Million Haushalte in Deutschland, die ausschließlich Digital-TV empfangen. Bis zum Beginn der Weltmeisterschaft könne die Zahl sogar auf 1,3 bis 1,5 Millionen ansteigen.