Microsoft Allianz der Gegner

Den "Browser-Krieg" hat Microsoft längst gewonnen. Nun versucht der weltgrößte Softwarekonzern, auch bei virtuellen Ausweisen im Internet die Nummer eins zu werden. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Palo Alto - Abseits von Browser-Krieg und Kartellprozess hat Microsoft  schon ein weiteres Geschäftsfeld für sich ausgemacht. Und schon längst ist im Bereich virtuelle Ausweise für den Handel im Internet ein Kampf mit dem ärgsten und hartnäckigsten Konkurrenten Sun Microsystems  entbrannt.

Bereits jetzt hat Microsoft über das neue Betriebssystem Windows XP und Online-Angebote wie Hotmail rund 200 Millionen Internetnutzer für das Authentifizierungs-Projekt "Passport" für sichere Transaktionen im Internet gewonnen - sehr zum Missfallen der Microsoft-Kritiker.

Zusammenschluss der Konkurrenten

Viele Unternehmen fürchten nämlich, dass Microsoft damit seine Monopolstellung bei den Betriebssystemen nun auf einen weiteren Bereich im Internet ausweiten könnte. Auf Initiative des Technologie-Konzerns Sun Microsystems haben sich deshalb rund 40 Unternehmen zusammengeschlossen, um eine Alternative zu den Microsoft-Plänen zu entwickeln. Sie nennen sich "Liberty Alliance" - zu ihnen gehören namhafte Unternehmen wie AOL Time Warner , General Motors , Bank of America , American Airlines, United Airlines, Cisco Systems , RealNetworks , NTT Docomo , Vodafone , Nokia  und Ebay .

Liberty Alliance setzt sich dafür ein, dass die Kontrolle der Daten allein in der Hand von Microsoft bleibt. Ihre Kritik: "Hinter 'Passport' steckt eine einzige Firma, die dann alle Daten verwaltet", sagt Greg Papadopoulos, Vizepräsident und Technik-Chef bei Sun. Mit offenen Software-Standards statt mit herstellergebundenen Produkten wolle die Liberty Alliance erreichen, dass die sichere Datenübertragung im Netz für alle transparent bleibt. "Der Grundgedanke ist, dass Sicherheit so simpel wie möglich hergestellt werden muss, um nachvollziehbar zu bleiben", erläutert Sun-Sicherheits-Experte Whitfield Diffle.

Die Liberty Alliance will sich dabei die Tatsache zu Nutze machen, dass es im weltweiten Datennetz schon jetzt Authentifizierungen gibt. Ist ein Nutzer zum Beispiel Kunde bei dem Online-Shop Amazon, so hat er dort bereits seine persönlichen Daten hinterlegt. Das Projekt sieht nun vor, dass die Online-Unternehmen untereinander die Gewährleistung für die Richtigkeit der persönlichen Daten weitergeben. Zugleich sei damit sichergestellt, dass nicht ein einziges Unternehmen alle Daten zentral verwaltet.

Microsoft nimmt sich dem Thema Sicherheit spät an

Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner hält dagegen. Er sagt, dass auch bei "Passport" die Daten nicht zentral gespeichert werden müssten. Außerdem wolle Microsoft "Passport" nicht allein auf Windows beschränken, sondern arbeite auch an einer Lösung für andere Betriebssysteme, etwa Linux. Der Hauptvorteil der Microsoft-Lösung sei die Akzeptanz am Markt. "Passport ist keine Technologie, die nur aus technischen Konzeptpapieren besteht."

Kein Zweifel, hier besteht noch Klärungs- und Redebedarf. Denn eins ist klar, eines der wichtigsten Themen beim Streit um den Internet-Ausweis der Zukunft ist die Sicherheit. Und da ist Microsoft nicht gerade Vorbild, denn immer wieder waren vor allem Microsoft-Produkte Ziel von Viren- und Hackerangriffen. Gerade diese Sicherheitslücken in den Microsoft-Produkten Outlook, Exchange und anderen Programmen hat Konzerngründer Bill Gates nun zum Anlass genommen, seinen Entwicklern ins Gewissen zu reden. In einem E-Mail-Rundschreiben hatte Gates vergangene Woche persönlich alle Mitarbeiter dazu aufgerufen, in ihrer Arbeit oberste Priorität auf Sicherheit zu legen. Sicherheit vor Neuentwicklungen proklamierte Gates - ob es klappt?

Attacke gegen Sun

Allerdings kann auch manches unter dem Thema Sicherheit Auswüchse bekommen, was den Nutzern wohl kaum verständlich bleiben mag. Unter dem Vorwand Sicherheit begründet Microsoft zum Beispiel auch die jüngste Attacke gegen den Konkurrenten Sun Microsystems: Im neuen Microsoft-Betriebssystem Windows XP fehlt eine Unterstützung der Sun-Programmiersprache Java - angeblich um die Internet-Anwender nicht durch die aktiven Java-Inhalte zu gefährden. Sun wirft dem Konkurrenten dagegen vor, die Java-Plattform aus rein taktischen Gründen auszuschließen. Mit Java können Programmierer Software entwickeln, die auf allen Betriebssystemen, nicht nur auf Windows, läuft.

Sun-Chef Scott McNeilly lässt denn auch keine Gelegenheit aus, den Erzrivalen zu attackieren. Microsoft "blockiere" mit seiner XP-Sperrmauer "Penicillin", während es "Ebola und andere gefährliche Viren" fahrlässig hereinlasse. "Wann gab es das letzte Java-Virus", fragt McNeilly rhetorisch. "Und wann gab es das letzte Office-Virus? Richtig, in den letzten zehn Sekunden."

Renate Grimming, dpa

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