SMS-Preiserhöhung Telekom knickt ein

Arme Kinder, böse Telekom? Die skandalgebeutelte Verbraucherschutzministerin Renate Künast schließt gesetzliche Maßnahmen gegen die neuen SMS-Preise nicht aus. Jetzt macht Telekom-Chef Ron Sommer einen Rückzieher.

Berlin - Nach Protesten von Politikern und Verbraucherschützern hat die Deutsche Telekom (Kurswerte anzeigen) ihre Preispolitik für SMS revidiert. "Wir führen die neuen Tarife ein, aber die alten bleiben weiterhin gültig", sagte Vorstandschef Ron Sommer am Montag nach einer Sitzung in Bonn. Das berichtet die "Bild" in ihrer Ausgaben am Dienstag.

Ein Telekom-Sprecher bestätigte die Angaben. "Wir haben uns entschieden, neben den neuen Tarifen für Neukunden auch die alten Tarife weiterhin bestehen zu lassen", sagte ein T-Mobile-Sprecher. Demnach bestehen in den Tarifen Telly und ProTel künftig die Möglichkeit, entweder die niedrigere Grundgebühr und einen höheren SMS-Preis oder den bisherigen Grundpreis mit der günstigen SMS-Gebühr von rund 8 Cent zu wählen.

Bereits am Wochenende hatten Renate Künast sowie weitere Politiker und Verbraucherschützer heftige, aber äußerst wahlkampfwirksame Kritik an der sich abzeichnenden, zum Teil drastischen Erhöhung der Gebühren für die Handy-Übermittlung von Kurzbotschaften geübt. Die Grünen-Politikerin Künast sagte beispielsweise der "Bild"-Zeitung: "Wenn sich herausstellt, dass Anbieter ihre Marktmacht missbrauchen, muss über weitere gesetzliche Regelungen nachgedacht werden".

Gebühr verdoppelt sich

Generell hört bei der SMS-Nachricht in Deutschland der Spaß auf: Nach der bekanntgabe der Preiserhöhung titelte die "Bild"-Zeitung "Frechheit". Fehlte fast nur noch die Forderung, dass der Kanzler die SMS-Preise zur Chefsache erklären soll. Schließlich soll der ja auch SMS-Fan sein.

Doch zuerst zu den Fakten: Im Zuge der Umstellung auf den Euro berechnet die Telekom-Tochter T-Mobile ab 1. Februar ihren Neukunden für den SMS-Versand "in allen Laufzeit-Tarifen grundsätzlich 0,19 Euro". Doch nicht nur die Telekom zieht an, auch andere Anbieter des SMS-Versands haben ihre Gebühren erhöht oder planen dies. Der kostenlose Versand von SMS über Internet ist praktisch eingestellt. Alle Anbieter haben erkannt, dass das Geschäft mit den kurzen Grüßen lukrativ ist, allein im letzten Jahr versandten die Deutschen zwischen 25 und 30 Milliarden solcher Botschaften.

Die armen Kinder und die böse Telekom

So mancher Hinterbänkler sorgt sich nun wahlkampfträchtig um die Betroffenen. In Stellungnahmen wurde auf die häufige Nutzung des sogenannten Short Message Service (SMS) durch Jugendliche verwiesen. Der CDU-Familienexperte Hubert Hüppe sagte, für Jugendliche sei der Besitz eines Handys normal, doch reiche das Taschengeld nicht. Die Telekom grabe sich den eigenen Markt ab, weil viele Eltern sich die Kosten nicht mehr leisten könnten.

Die Postkommunisten von der PDS benutzten noch deutlichere Bilder für die Telekom. Die PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer warf dem ehemaligen Staatsunternehmen vor, es gebärde sich "wie ein Drogendealer, der seine Kunden erst anfüttert, um sie dann abzuzocken". Klaus Haupt (FDP), Vorsitzender der Kinder- und Jugendkommission im Bundestag, warnte, höhere SMS-Kosten könnten Kinder und Jugendliche in die Schuldenfalle treiben. Die Telekom solle diesen Personenkreis in einer groß angelegten Kampagne über die Tariferhöhung aufklären

Doch so aufgeregt mancher Politiker auch ist, so gering sind die Einflussmöglichkeiten auf die Telekom-Preise. Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Telekommunikation, Klaus Barthel (SPD), erklärte, die Regierung habe keine rechtliche Handhabe zum Einschreiten. Wenn aber andere Mobilfunkanbieter nachzögen, solle man genau hinsehen, "ob sich da ein Missbrauch von Marktmacht abzeichnet. Dann wäre nicht ausgeschlossen, auch den Mobilfunksektor einer Regulierung zu unterziehen wie bislang das Festnetz."

Telekom-Sprecher Stephan Althoff zeigte sich überrascht wegen der Aufregung und erklärte, die Tarifänderungen gälten nur für Neukunden. Das Argument der ausgenutzten Jugendlichen konterte er mit dem Gebrauchsverhalten der jungen Leute. Demnach benutzten die meisten jungen Leute Prepaid-Karten, bei denen jede SMS bisher 39 Pfennig (19,94 Cent) gekostet habe. Für sie verringere sich mithin der Preis geringfügig.

Bei Vodafone D2 bleibt alles beim alten

Vodafone D2 gab dagegen heute bekannt, dass keine Erhöhung der SMS-Gebühren geplant sei. "Wir haben nicht vor, unsere SMS-Preise für die Endkunden zu erhöhen," sagte ein Sprecher von Vodafone D2 am Montag. Mit Blick auf die neue Gebührenstruktur bei T-Mobil sagte der Vodafone-D2-Sprecher: "Da haben wir keinen Druck. Wir werden uns das erst einmal in Ruhe anschauen."

Bei Vodafone D2 stieg nach früheren Angaben auch dank des Booms bei SMS-Nachrichten über Handys der Anteil der Daten- und Nachrichtendienste am Umsatz mittlerweile auf 15 Prozent. In ein bis zwei Jahren soll der Anteil den Angaben nach auf über 20 Prozent wachsen.

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