Mittwoch, 11. Dezember 2019

KirchMedia 4,33 Milliarden Mark Schulden

Das zur Kirch-Gruppe gehörende Unternehmen hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Gewinnrückgang verbucht. Grund: Flaute auf dem deutschen TV-Werbemarkt.

[M];REUTERS.mm.de

München - Die zur Kirch-Gruppe gehörende KirchMedia KGaA hat in den ersten neun Monaten 2001 wegen der Flaute auf dem deutschen TV-Werbemarkt einen Gewinnrückgang verbucht. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sei in den Monaten Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 469 Millionen Mark zurückgegangen, teilte KirchMedia am Freitag mit.

Der Umsatz sei dagegen um sieben Prozent auf rund 4,6 Milliarden Mark gestiegen. Dabei habe die positive Entwicklung der Sparte Filmrechtehandel den schwächeren Trend beim werbefinanzierten Fernsehen (Free TV) mehr als ausgeglichen. Die Nettoverschuldung per Ende September habe sich auf 4,33 Milliarden Mark von 4,4 Milliarden Mark ein Jahr zuvor verringert.

Dieter Hahn: KirchMedia solide

In der KirchMedia, die mit ihrer Tochtergesellschaft ProSiebenSat.1 Media AG fusionieren und ab Juni 2002 an der Börse notieren will, ist die Produktion, Rechtehandel und das werbefinanzierte Fernsehen der Kirch-Gruppe gebündelt. Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn, der auch der designierte Vorstandschef des fusionierten Konzerns ist, bezeichnete die Finanzstruktur der KirchMedia als solide. Die Verschuldung des gesamten Medienkonzerns Kirch-Gruppe dürfte allerdings wesentlich höher liegen und wird auf elf bis zwölf Milliarden Mark geschätzt. Um fällig werdende Kredite zurückzahlen zu können, hat die Kirch-Gruppe bereits mit dem Verkauf von Beteiligungen begonnen, die nicht zum Kerngeschäft gehören.

Die Sparte Free TV, die im Wesentlichen aus den Sendern ProSieben, Sat.1, Kabel1, N24 und Deutsches Sportfernsehen (DSF) besteht, erwirtschaftete mit 3,1 Milliarden Mark in den ersten neun Monaten 2001 rund 67 Prozent des Konzernumsatzes, trug aber mit einem Ebitda von 218 Millionen Mark nur 46 Prozent zum operativen Ergebnis bei. Die Abnahme der Ebitda-Marge auf 7,1 Prozent von 15,6 Prozent im Gesamtjahr 2000 sei eine direkte Folge der in Deutschland rückläufigen Werbeeinnahmen, begründete KirchMedia die Entwicklung.

Weltweit Fernsehrechte verkauft

Der Bereich Filmrechtehandel konnte seine operative Umsatzmarge dagegen beträchtlich auf 24,1 Prozent steigern. Zusätzliche Abschreibungsbelastungen würden allerdings erst zum Jahresende eingerechnet, hieß es in der Mitteilung. In den ersten neun Monaten erzielte KirchMedia mit dem Filmrechtehandel Umsätze von 1,4 Milliarden Mark und ein Ebitda von 339,5 Millionen Mark. Vergleichszahlen nannte KirchMedia nicht, weil der Konzern im vergangenen Jahr noch nicht über einzelne Quartale berichtete.

Einnahmen verzeichnete die Kirch-Gruppe in den vergangenen Monaten vor allem auch aus dem Verkauf der weltweiten Fernsehrechte an den Fußballweltmeisterschaften 2002 und 2006. Für die im nächsten Jahr in Japan und Korea stattfindende Fußball-WM seien die Rechte bereits in allen wichtigen Ländern vermarktet, teilte KirchMedia mit.

Bisher belaufe sich der Gesamterlös aus diesen Rechten auf 1,64 Milliarden Schweizer Franken (rund 2,19 Milliarden Mark) und übersteige damit den Kaufpreis von 1,11 Milliarden Franken. Mit den TV-Rechten für die in Deutschland stattfindende Fußball-WM 2006 habe KirchMedia bisher 1,63 Milliarden Franken erzielt. Dem stünden Lizenzzahlungen an den Fußballverband FIFA von 1,71 Milliarden Franken gegenüber. Wesentliche Rechte seien hier aber noch nicht verkauft und stellten ein erhebliches Potenzial da, hieß es.

Verhaltener Ausblick

Kirch-Vize Hahn rechnet auch 2002 insbesondere im Fernseh-Werbegeschäft mit einem schwierigen Jahr. Es sei sehr fraglich, ob sich der zuletzt stark rückläufige TV-Werbemarkt deutlich verbessern werde, sagte Kirch-Vize Dieter Hahn. Dagegen rechne er im Rechtehandel mit einer weiteren Verbesserung der Margen.

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