Gruner+Jahr Exitus

Tabula rasa an der Elbe. Der "Computerchannel" wird eingestellt, 75 Arbeitsplätze fallen weg.

Hamburg - Der Hamburger Großverlag Gruner+Jahr zieht im Online-Bereich die Notbremse: Nachdem die Umsätze der meisten Angebote weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind und mittelfristig keine Gewinne erzielt werden können, ordnet Gruner+Jahr (G+J) das gesamte Geschäftsfeld neu.

Dabei werden rund 75 Arbeitsplätze wegfallen, teilte der Verlag am Montag in Hamburg mit. G+J werde sich auf die Online-Auftritte seiner Print-Titel konzentrieren. Der Online-Bereich werde in den Unternehmensbereich Zeitschriften eingegliedert.

An neuen Internet-Angeboten will sich der Verlag zunächst nicht mehr beteiligen. Die G+J Multimedia Ventures werde deshalb aufgelöst und noch bestehende Minderheitsbeteiligungen dem neuen Multimedia-Verantwortlichen Stan Sugarman unterstellt, heißt es in der Mitteilung. Der "Computerchannel" soll seinen Geschäftsbetrieb ebenfalls ganz einstellen.

Das Finanzportal "Business Channel" wurde bereits im Oktober durch die Online-Auftritte der Wirtschaftspresse von Gruner+Jahr ersetzt. Ein Abkommen mit der G+J Business Innovator Group in Boston sieht vor, noch in diesem Jahr erstmals die Inhalte der US-Wirtschaftszeitschrift "Inc. Magazine" in dem deutschen Pendant "Impulse" abzudrucken. Ein ähnlicher Austausch von Inhalten ist zudem zwischen den Zeitschriften "Bizz" und "Fast Company" geplant. Seine Beteiligung an der Gebrauchtwagenbörse "Faircar" hatte G+J bereits an die Dekra verkauft.

Anpassung an die verschlechterten Marktbedingungen

Positiv entwickele sich dagegen das Mobilfunkportal "Handy.de" mit zwei Millionen registrierten Nutzern. Das Know-how und die breite Kundenbasis sollen künftig auch anderen Bertelsmann-Angeboten zugute kommen.

Den "Travelchannel", der gemeinsam mit einer Reise-Tochter des Otto-Versands geführt wird, will G+J durch einen weiteren Partner stärken. Gespräche mit der RTL-Online-Tochter RTL New Media seien weit fortgeschritten, hieß es.

"Mit der Einbindung der Multimedia-Aktivitäten in den Geschäftsbereich Zeitschriften wird Online einerseits ein fester Bestandteil unseres Kerngeschäfts, andererseits passen wir den Umfang unserer Investitionen den deutlich verschlechterten Marktbedingungen an", sagte G+J-Chef Bernd Kundrun.