Büro-Surfen Ohrfeige für Office-Helden

Fristlos gekündigt - wer vom Büro aus Sex-Seiten im Internet besucht, hat vor Gericht schlechte Karten.

Hannover - Surfen am Arbeitsplatz kann zur fristlosen Kündigung führen. "Es kommt auf die Art und Weise und den Umfang der Internet-Nutzung an", sagte Rechtsanwalt Stefan Kramer am Freitag. Auch die Regelungen des Arbeitgebers spielten dabei eine Rolle.

Auch wenn das Arbeitsgericht in Wesel kürzlich eine Kündigung ablehnte, das Arbeitsgericht Hannover kam in einem anderen Fall zu einem anderen Urteil. Danach war die fristlose Kündigung eines Mitarbeiters rechtens, der während der Arbeitszeit Dateien mit pornografischem Inhalt auf den betrieblichen PC aus dem Internet heruntergeladen hatte. Darüber hinaus hatte er eine anzügliche Homepage von seinem Dienst-PC aus in das World Wide Web gestellt. Und das, obwohl ihm das private Surfen vom Arbeitgeber in einer Betriebsvereinbarung untersagt worden war.

Fast alle surfen privat

In einem anderen Fall hatte das Arbeitsgericht in Wesel einer Kündigung widersprochen. Das Gericht begründete das Urteil damit, dass Arbeitgeber ein ausdrückliches Verbot aussprechen und einen Verstoß dagegen zunächst mit einer Abmahnung rügen müssten. Andernfalls könnten die Arbeitnehmer sogar von einer Duldung der privaten Internet-Nutzung ausgehen.

Nach einer Online-Umfrage surfen 93 Prozent der deutschen Beschäftigten privat am Arbeitsplatz, 48 Prozent davon bis zu 50 Minuten wöchentlich.