AOL Time Warner Daumenschrauben angelegt

Drohen Milliardenschulden? Bertelsmann will die ersten AOL-Anteile Ende des Jahres verkaufen.

New York - Auf den US-Medienkonzern AOL Time Warner  kommt in den nächsten Wochen eine Milliardenzahlung an den deutschen Konkurrenten Bertelsmann zu.

Der Konzern aus Gütersloh hat bekräftigt, dass er sich zwischen dem 15. Dezember und dem 15. Januar entsprechend einer vereinbarten Option von Anteilen an AOL Europe trennen wird. Der Wert der Transaktion könnte im ersten Schritt zwischen 5,4 und 6,6 Milliarden Dollar erreichen. AOL muss einen Teil der Summe in bar zahlen, der Rest kann auch in Aktien entrichtet werden.

Das Milliarden-Geschäft ist Ergebnis einer im März 2000 geschlossenen Vereinbarung. Damals war die Interneteuphorie auf ihrem Höhepunkt.

AOL hatte zugesagt, den Bertelsmann-Anteil von 49,5 Prozent an AOL Europe für 6,75 bis 8,25 Milliarden Dollar zu übernehmen - eine aus heutiger Sicht völlig überhöhte Bewertung, an die AOL aber weiterhin gebunden ist. Bertelsmann hatte die Ausübung einer Verkaufsoption über 80 der eigenen Anteile bereits angekündigt.

AOL Time Warner hofft, mit der gesamten Kontrolle über AOL Europe ähnliche Erfolge für den Online-Dienst zu erreichen wie in den USA. Dann soll endlich die Gewinnschwelle übersprungen werden. Denn trotz des starken Wachstums seit der Gründung vor sechs Jahren ist AOL in Europa unprofitabel.

Noch ist nicht klar, ob der US-Medienkonzern sich einen Partner für seine Bemühungen ins boot holen wird. Alternativ dazu muss der Konzern allein versuchen, den fragmentierten europäischen Markt anzugehen.