Montag, 14. Oktober 2019

Motor Presse Getürkte Auflagen

Hohe Abweichungen festgestellt - der Verlag meldete monatelang falsche Zahlen für seine Titel.

Stuttgart - Die Kontrollinstanz Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) hat bei den von der Stuttgarter Motor-Presse gemeldeten Zeitschriften-Auflagen zum Teil sehr hohe Abweichungen festgestellt.

Wie aus einem am Donnerstag bekannt gewordenen Prüfbericht der IVW hervorgeht, hatte die Motor-Presse zum Beispiel für ihr inzwischen Lifestyle-Magazin "Modern Living" im dritten Quartal 2000 eine verkaufte Auflage von über 141.408 Exemplaren angegeben. Tatsächlich betrug die Verkaufsauflage nach Prüfung der IVW jedoch nur bei 76.075 Exemplaren.

Auch beim Flaggschiff "auto, motor und sport" meldete der Verlag im vierten Quartal 2000 493.512 verkaufte Hefte. Laut IVW waren es tatsächlich nur 449.251.

Nach den IVW-Zahlen werden die Anzeigenpreise ermittelt. Der Motor Presse Verlag muss mit Rückzahlungsforderungen seitens der Werbungtreibenden rechnen.

Ermittlungen wegen Betrugsverdacht

Ende Oktober wurde bekannt, dass die IVW der Motorpresse-Tochter nachgewiesen hatte, über mehrere Monate überhöhte Auflagenzahlen gemeldet zu haben. Der Verlag räumte daraufhin ein, fehlerhafte Zahlen geliefert zu haben. Mittlerweile ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Führungskräfte der Motorpresse wegen Betrugsverdachts.

Der Verlag zog inzwischen organisatorische und personelle Konsequenzen. Den betroffenen Anzeigenkunden soll ein Ausgleich angeboten werden. Der Verlag hat außerdem zum 31. Oktober seinen Austritt aus der IVW erklärt. Wie die Motor-Presse Anfang dieser Woche mitteilte, wird außerdem die Zeitschrift "Modern Living" wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektiven eingestellt.

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