Comdirect Was passiert mit den Auslandstöchtern?

Nachdem die Bank die Bilanzpressekonferenz verschoben hat, schießen die Spekulationen ins Kraut.

Frankfurt - Neben den Neunmonatszahlen wird der Direktbroker Comdirect  am Freitag Analysten zufolge wohl auch einschneidende Veränderungen bei seinen Auslandstöchtern bekannt geben.

Die Vermutungen gingen deutlich in diese Richtung, nachdem die Bank die Verschiebung der Veröffentlichung der Zahlen bekannt gegeben hat. Als Grund wurde eine noch ausstehende "strategische Aufsichtsratsentscheidung" genannt.

Die Prognosen der Experten reichen dabei von Kooperationen mit anderen Banken, über den Verkauf bis hin zur Schließung einiger der in roten Zahlen steckenden Aktivitäten in Großbritannien, Frankreich und Italien. Über eine mögliche Kooperation im Ausland mit dem Konkurrenten Consors gehen die Meinungen der Experten auseinander.

Auslandstöchter vor Veränderungen?

Eine Fusion hatte ein Comdirect-Sprecher jedoch ausgeschlossen. "Das nehmen wir so für bare Münze", sagte ein Analyst. Somit sei es mehr als wahrscheinlich, dass es um die Zukunft der Auslandstöchter gehen werde. Unterstützt wird diese Vermutung durch eine Äußerung des Vorstandssprechers der Konzermutter Commerzbank, Klaus Peter Müller. Der hatte bereits im Oktober gesagt, dass voraussichtlich nicht alle Auslandstöchter der Comdirect erhalten bleiben sollten.

"Wir sprechen bei den Auslandsaktivitäten von Comdirect nicht von Erträgen, sondern von großen Kostenblöcken", sagte Ralf Dibbern von MM Warburg. Er hält es für wahrscheinlich, dass das Italien-Geschäft, wo die Bank zum Halbjahr nur über knapp 190 Depots verfügt habe, komplett eingestellt werde. "Ich schätze, dass sie Italien schließen", sagte der Analyst.

Großbritannien stehe vermutlich nicht zur Disposition, da die Kundenentwicklung hier in den vergangenen Wochen deutlich an Dynamik gewonnen habe. Für die französischen Depots werden Comdirect und Commerzbank nach Enschätzung des Analysten einen Verkauf bevorzugen. Eine Kooperation lohne sich vermutlich auf Grund der auch hier relativ geringen Anzahl von Kunden nicht.

Oder doch eine Kooperation mit Consors?

Eine Kooperation kann sich dagegen Alexander Kachler von Merck Finck & Co durchaus vorstellen. Als Partner nannte der Analyst dabei auch den Comdirect-Konkurrenten Consors: "Consors ist nicht außen vor. Die beiden Häuser könnten sich im Ausland gut ergänzen", sagte Kachler. Als Kooperationsmärkte sieht er vor allem Frankreich, wo Consors  recht gut positioniert sei, und Italien.

Angesichts von rund 30.000 Consors-Depots in Frankreich und vermutlich etwa 3.500 von Comdirect ist eine solche Kooperation theoretisch zwar auch für Dibbern vorstellbar. Er gehe jedoch nicht davon aus, dass Consors oder die hinter dem Broker stehende Schmidtbank an einer solchen Zusammenarbeit interessiert seien. Auch nach Angaben von anderen Branchenanalysten spricht vieles dafür, dass sich die Consors-Mutter aus ihrer Beteiligung zurückziehen und sich nicht mit einer neuen Partnerschaft des Brokers im Ausland belasten will.

Partnerschaft mit DAB?

"Am harmonischsten wäre in Frankreich eine Partnerschaft von Comdirect und DAB Bank", sagte Dibbern. Doch mit nach seinen Angaben rund 40.000 Depots gehe die DAB Bank  wohl davon aus, die kritische Masse in diesem Auslandsmarkt auch allein erreichen zu können. An wen die Frankreich-Aktivitäten von Comdirect im Falle eines Verkaufs letztlich gehen würden, wollte der MM-Warburg-Analyst nicht prognostizieren: "Der Markt in Frankreich ist recht fragmentiert. Da gibt es rund 20 bis 30 Online-Broker."

Auch Analyst Kachler sagte, es gebe eine Reihe von Möglichkeiten hinsichtlich der Zukunft der Comdirect-Auslandstöchter. Der Broker selbst habe signalisiert, für verschiedene Möglichkeiten offen zu sein. "Aber was sie auch bekannt geben werden, es wird eine gute Nachricht sein", sagte der Analyst.

Andreas Funke, Reuters

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