10-Millionen-Show Zwangsrotation?

Kandidaten schlecht beraten. Hinter den Kulissen der Günter-Jauch-Show soll es Vorwürfe gegen das Promi-Team gegeben haben.
Trefferquote Egner: Zwölf richtig, sieben falsch

Trefferquote Egner: Zwölf richtig, sieben falsch

Foto: Foto:SAT.1/Rauner
Trefferquote Karasek: 17 Antworten richtig, fünf falsch

Trefferquote Karasek: 17 Antworten richtig, fünf falsch

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Trefferquote Reif: 15 richtig, vier falsch

Trefferquote Reif: 15 richtig, vier falsch

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Trefferquote Kerkeling: 15 richtig, drei falsch

Trefferquote Kerkeling: 15 richtig, drei falsch

Foto: SAT.1/Held
Trefferquote von Sinnen: Zwölf richtig, eine falsch

Trefferquote von Sinnen: Zwölf richtig, eine falsch

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Hamburg - Stundenlang saß der 22-jährige Stephan Harmuth aus Besigheim bei Stuttgart auf dem Zehn-Millionen-Thron. Der Würzburger Medizinstudent stieg nach sieben Fragen, die das Promi-Antwortteam für ihn gelöst hatte, aus. Mit zehn Millionen wolle er sich ein Weingut in der Toskana kaufen, sagte der Mann mit dem Wuschelkopf.

Daraus wird vorerst nichts. Für den Juristen Wolf Hafner, 41, aus Gerlingen bei Ludwigsburg, beantworteten die Prominenten eine Frage mehr als für den Medizinstudenten. Insgesamt nahmen 50 Kandidaten bei dem großen Quiz teil. Ein Großteil musste ohne fetten Gewinn nach Hause. Sie nahmen lediglich die 10.000 Mark mit, die in der von der Süddeutschen Klassenlotterie und dem Sender RTL veranstalteten Sendung jeder Kandidat gewinnt.

Ein Team bestehend aus Hellmuth Karasek, Hella von Sinnen, Marcel Reif, Hape Kerkeling und Fritz Egner musste die von Günther Jauch gestellten Fragen beantworten. Der Kandidat hatte nur einzuschätzen, ob der jeweilige Promi die gestellte Frage auch beantworten könne.

Viele trauten den Prominenten zu viel zu. Literaturkritiker Hellmuth Karasek etwa wusste als Brillenträger nicht, dass wer schlecht in die Ferne sieht, kurzsichtig ist. Kerkeling wusste nicht, dass der Postmann in dem berühmten Film zweimal klingelt - und nicht dreimal. Reif ordnete die Strophen "Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome" der Nationalhymne Liechtensteins zu und nicht Österreichs. Und Fritz Egner verwechselte das Tote und das Rote Meer.

Der Misserfolg vieler Kandidaten war offenbar Grund, hinter den Kulissen zu mäkeln. Nach Angaben der "Münchner Abendzeitung" hätten sich einige Kandidaten echauffiert, die Promis hätten mit Absicht falsch getippt, damit mehr Kandidaten drankämen - was RTL freilich abstritt.

Eine Kandidatin bezeichnete den Sportreporter Marcel Reif als "völlig abwesend". Öffentlich kritisierte ein Arzt das Promiteam, als er schon nach der zweiten Frage gehen musste, weil Karasek Weit- von Kurzsichtigkeit nicht unterscheiden konnte. Er sagte im Hinausgehen: "So gehen sie mit meinem Geld um."

Dem Gewinner konnte das alles egal sein. Er freue sich über die große Sicherheit, die ihm der Gewinn bringen werde, sagte Hafner. Aber viel ändern werde sich an seinem Leben in dem 18.000-Einwohner-Städtchen Gerlingen nicht. Die Süddeutsche Klassenlotterie (SKL) und RTL werden den Gewinner nun eine Woche lang vor der Öffentlichkeit abschirmen. "Er hat unser freiwilliges Angebot angenommen und geht eine Woche in Klausur", sagte RTL-Sprecher Frank Rendez.

Im April gewann die 47-jährige Hausfrau Waltraud Kretschmann die "10-Millionen-Show".