Comdirect Flirt mit Consors und DAB

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller geht für seine kränkelnde Online-Tochter auf Partnersuche. Fusioniert der Internet-Broker nun doch mit Consors oder DAB?

Frankfurt/Main – Die Commerzbank sucht nach einem Partner für ihre Internet-Tochter Comdirect . Es müsse unter den großen drei bis fünf Online-Brokern eine Konsolidierung geben, auch um europäisch weiter expandieren zu können, sagte der Vorstandschef der Bank, Klaus-Peter Müller, im Gespräch mit der "Welt". Auch eine Fusion der Comdirect mit den schärfsten Konkurrenten Direkt Anlage Bank (DAB Bank)  oder Consors  schloss Müller nicht aus.

Die Reintegration von Comdirect in das Privatkundengeschäft wäre laut Müller "eine der schlechtesten Lösungen." 93 Prozent der Comdirect-Kunden seien nie Kunden der Commerzbank gewesen, und niemand könne ihm sagen, ob sie es werden wollten, so der Vorstandschef. "Wenn wir die Comdirect integrieren, sparen wir nichts und machen uns zudem noch die Preisstruktur in unserem beratungsintensiven Privatkundengeschäft kaputt."

Branchenbeobachter erwarten nach Darstellung der Zeitung seit längerem, dass es unter den deutschen Online-Brokern zu Fusionen oder Übernahmen kommen wird. Auf Grund der Krise an den Finanzmärkten und der deshalb fehlenden Provisionserträge seien die meisten von ihnen in die Verlustzone geraten.

Rote Zahlen befürchtet

Die Commerzbank schließt rote Zahlen in diesem Jahr nicht mehr aus. "Ich kann einen Verlust zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dafür ist das gesamte Umfeld zu unklar", sagte Müller weiter. Die Tatsache, dass den Aktionären eine Dividende angekündigt worden sei, zeige aber Zuversicht.

Das Ziel, die Bruttoerlöse bis 2003 um eine Milliarde Euro zu steigern, sei nicht mehr realistisch. "Der Anzug, den wir uns im Herbst vergangenen Jahres angezogen haben, war zu groß", räumte Müller ein. Die Krise an den Aktienmärkten lasse die Planungen im Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung zu optimistisch erscheinen. Sich von einigen Geschäftsaktivitäten zu trennen, schloss Müller zum jetzigen Zeitpunkt aus. Es stehe aber jeder Geschäftsbereich zur Disposition, der seine Zielvorgaben auf Dauer nicht einhalte.

Fusion mit Hypovereinsbank ausgeschlossen

Eine Fusion mit der HypoVereinsbank schloss der Commerzbank-Vorstand aus. Bei einem inländischen Zusammenschluss würden auf einen Schlag mehr als 6000 bis 7000 Arbeitsplätze vernichtet, sagte Müller. "Und ich frage mich, ob es für Deutschland wirklich gut wäre, wenn wir nur noch zwei deutsche Großbanken haben."

Deutschland brauche die Commerzbank, die mit 40 Prozent aller Unternehmen zwischen 2,5 und 250 Millionen Euro Umsatz zusammenarbeite. Das wäre nicht so, wenn andere Banken das Geschäft genau so gut abdecken könnten.