Montag, 20. Mai 2019

Kommentar Pro Windows XP

Microsoft läuft auf fast allen Computern der Welt. Und das aus gutem Grund: Kein anderes Betriebssystem der Welt kann Windows das Wasser reichen.

Für eingefleischte Techies waren Bill Gates und seine virtuelle Inkarnation in Form von Windows immer attraktive Zielscheiben für Kritik. Gegen Windows schimpfen ist "in", so das Geheule der Wölfe. Spätestens mit der Einführung von XP sollte aber der eine oder andere seinen Negativopportunismus nochmals überprüfen.

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Ein gutes Beispiel für vorschnelle Verurteilungen ist die neu eingeführte XP-Produktaktivierung. Der gläserne User und andere Szenarien werden von selbsternannten Datenschützern gerne zitiert. Fakt ist, dass bei der Aktivierung von Upgrade- oder OEM-Versionen persönliche Daten vermerkt werden können, aber wohlgemerkt: nicht müssen. Das Online-Formular gibt sich bereits mit der Eingabe des aktuellen Landes zufrieden.

Außerdem ist die damit verbundene Absicht, Gelegenheitsschnorrer von der illegalen Weitergabe abzuhalten, für ein marktwirtschaftlich geführtes Unternehmen absolut legitim. Microsoft Börsen-Chart zeigen will Geld verdienen, eine Einstellung, die Vorbildcharakter haben sollte.

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Windows XP von Microsoft

Mit dem neuen Betriebssystem soll ein neues Zeitalter eingeläutet werden. Experten werfen der Gates-Company seit langer Zeit vor, sie missbrauche ihre Monopol-Stellung und betreibe unlauteren Wettbewerb gegen Konkurrenten. Kritiker befürchten nun, dass Windows XP Microsofts Macht noch mehr stärkt. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Kommen wir aber zu offensichtlicheren Vorteilen des neuen Microsoft-OS: die zahlreichen Dreingaben in Form von Software-Applikationen. Kunden erhalten zusätzliche Features, ohne sich nochmals zu einem Händler zu bemühen. CD-Brenner-Tool, MP3-Player, Musik-Ripper und Videobearbeiten entsprechen zwar nicht dem "state of the art", helfen aber über die erste Neugier hinweg. Und ganz nebenbei wird der Appetit auf professionellere Programme angeregt. Windows XP fungiert als Motor der mittelständischen Software-Branche.

Besonders die mobilen User unter uns kommen mit XP voll auf ihre Kosten. Wer mit seinem Laptop zwischen verschiedenen Niederlassungen oder seinem Heimbüro pendelt, wird es zu schätzen wissen, dass XP IP-Adressen und andere Einstellungen anpasst, sobald die Anmeldung in einer anderen Netzwerktopologie erfolgt. Praktisch ist auch die integrierte Remote-Desktop-Verbindung. So lassen sich andere PC über Internet oder LAN-Verbindung von nahezu beliebigen Orten fernsteuern. Eine neue Schriftdarstellung sorgt zudem für optimierte Darstellung von Zeichen auf LC- und Notebook-Displays.

Windows-2000- und NT-User sind bereits im Genuss höchster Stabilität. Erste Tests unter Extrembedingungen bescheinigen XP eine mindestens ebenso hohe Laufruhe. Besonders User von Windows-9x-Versionen dürfen sich mit dem neuen 32-Bit-Kernel über enorme Zuverlässigkeitszuwächse und die bessere Speicherverwaltung freuen.

Dabei laufen selbst ältere Windows- und MS-DOS-Programme einwandfrei, wenn nicht sogar besser. Apropos Kompatibilität: Dank präzise definierter Standards hat es Microsoft in den letzten Jahren immer wieder geschafft, beinahe alle Hard- und Softwarehersteller unter einen Hut zu bringen, und somit extrem zum Wachstum der gesamten IT-Branche beigetragen.

Hinzu kommt die Planungssicherheit in Supportfragen. Microsoft bietet in der Regel dreijährigen Produktservice in Form von Updates und Patches. In einem weiteren Jahr wird der Service langsam gedrosselt, bis eine Nachfolgelösung eingeführt ist. XP wird somit bis mindestens 2004 unterstützt.

In erster Linie ist XP ein Anwenderbetriebssystem. Ob die Bedienung einfacher ist als bei anderen Betriebssystemen, sei dahingestellt, in jedem Fall ist sie gewohnter. An der Installation und Handhabung der MS-Produkte müssen sich sämtliche anderen Hersteller messen lassen. Heute zahlt es sich aus, dass in der letzten Dekade Schulen und Universitäten massiv von Microsoft unterstützt wurden. Die Studenten von einst sind die Manager von heute und entscheiden entsprechend über den Einkauf von Betriebssystemen. Wozu umlernen, wenn Windows alles bietet?

Lohnt der Upgrade auf XP? Ein definitives "Ja!" für Benutzer von Windows-9x-Versionen - es hat sich wirklich einiges verbessert. Zufriedene Windows-2000-Benutzer könnten sich bis zur nächsten Version (Codename "Longhorn") Zeit lassen - aber das ist eine Frage des Geschmacks.

mm.de
Matthias Selg ist Marketing-Consultant, langjähriger IT-Journalist und bekennender Windows-User.



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