Ex und Hopp Investitionsmüde Geldgeber

Kaum am Markt, verschwinden sie wieder in der Versenkung. Immer mehr Start-ups gehen Pleite - erstmals übersteigt die Zahl der Insolvenzen die der Gründungen.

Oestrich-Winkel - Der Konsolidierungsprozess bei Internet-Start-ups hat sich deutlich beschleunigt. In den Sommermonaten machten in Deutschland dreimal so viele Unternehmen dicht wie im Vorjahreszeitraum. Das kommende Weihnachtsgeschäft und inzwischen wieder sinkende Insolvenzzahlen in den USA lassen die Gründer hoffen, dass die Pleitenzahlen wieder sinken.

Dennoch zeigen die Zahlen, die eine Studie der European Business School im Rahmen des Forschungsprojektes e-Startup.org vorweist, einen eindeutigen Trend: Die harten Sommermonate dieses Jahres werden in Deutschland voraussichtlich erstmals dazu führen, dass mehr Firmen aus dem Markt austreten als neu gegründet werden.

60 Pleiten im Monat

Alleine im ersten Halbjahr 2001 haben durchschnittlich 20 bis 22 Firmen Insolvenz beantragen müssen. In den vergangenen drei Sommermonaten waren es sogar 60 im Monat. Ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. 2000 zählten die Wissenschaftler der European Business School im Durchschnitt noch fünf Insolvenzen - berücksichtigt wurden auch angemeldete, aber noch nicht eröffnete Verfahren.

Seit Anfang 2000 sind mehr als 350 Internet- und E-Commerce-Unternehmen insolvent geworden. Über die Hälfte von ihnen war durch Venture Capital finanziert. So stellten die Forscher auch fest, dass im ersten Halbjahr im Durchschnitt weniger als zehn Unternehmen pro Monat Geld von Venture Capitalists erhielten, dagegen traten 30 VC-finanzierte Unternehmen pro Monat aus dem Markt.

Deutliche Signale - die Venture Capitalists sind investitionsmüde. Den Grund für den deutlichen Anstieg der Insolvenzen sehen die Experten zwar auch in der allgemein abflauenden Konjunktur der traditionell schwachen Sommermonate; vor allem aber, so die Fachleute, ist es dem geänderten Verhalten der Risikokapital-Geber zuzuschreiben, dass viele Gründer scheitern.

Die Zeiten, in denen die VC-Firmen jede Finanzierungsrunde mitmachten, sind vorbei. Nach dem Platzen der Spekulationsblase am Neuen Markt haben die Kapitalbeschaffer damit begonnen, hektisch ihre Portfolios zu bereinigen und sich von wenig aussichtsreichen Kandidaten zu trennen. Eine Finanzierung erhalten jetzt nur noch diejenigen Jungunternehmen, deren Geschäftsmodell als nahezu risikofrei gilt.

Geografisch gesehen ist München die Hochburg für Insolvenzen. Hier machten 64 Unternehmen dicht, in Hamburg 48, in Berlin 38 und in Düsseldorf 20.


Die volkswirtschftlichen Folgen der Pleitewelle

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