Polizei Tragisches aus Schilda

Das neue Fahndungssystem ist terroristenfreundlich: Es funktioniert nicht.

Wiesbaden - Das geplante bundesweite Fahndungssystem der Polizei (Inpol-neu) droht zu einer teuren Fehlinvestition zu werden.

Nach einem Bericht des Internet-Magazins "stern.de" vom Dienstag ist die Einführung wegen technischer Probleme vorerst gescheitert. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ging bereits von einem Schaden von mehr als 100 Millionen Mark aus.

Nach ursprünglicher Planung sollte das neue Computersystem die verschiedenen Fahndungssysteme von Bund und Ländern noch in diesem Herbst beim Bundeskriminalamt (BKA) miteinander vernetzen. Das BKA wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Das neue Computersystem soll das bisherige System "Inpol aktuell" ablösen, das noch aus dem Jahr 1972 stammt. Damit hätten dann auch die Länder-Polizeien einen direkten Zugriff auf die BKA-Dateien. Ein Probelauf mit "Inpol neu" - damals noch in einer unvollständigen Version - war bereits Mitte April missglückt: Am Ostersonntag brach das System bereits zehn Minuten nach dem Start zusammen. Damit war bereits klar, dass der ursprüngliche Zeitplan, das alte System in diesem Oktober abzuschalten und nur noch mit "Inpol neu" zu arbeiten, nicht gehalten werden kann.

Probleme gibt es vor allem bei der Verbindung der Landespolizei-Systeme mit dem Zentralrechner in Wiesbaden. In einem Überprüfungsbericht im Auftrag des Bundesinnenministeriums heißt es: "Es ist nicht auszuschließen, dass das Projekt mit dem heutigen Entwicklungsansatz nicht erfolgreich abgeschlossen werden kann." Unternehmensberater empfehlen in dem Bericht, mit einem "Lasttest" bis zum Jahresende zu klären, ob das bereits weit fortgeschrittene System überhaupt funktionieren kann. Der GdP- Bundesvorsitzende Konrad Freiberg forderte einen "völligen Neuanfang".

Bereits in der vergangenen Woche hatte das ARD-Magazin "Panorama" über Computerprobleme beim BKA berichtet, die den Start des Systems voraussichtlich bis Ende 2003 verzögerten. Laut "Panorama" wird das alte Computersystem zum Hemmschuh der Terroristenfahndung. Es sei umständlich und unsicher. Außerdem gebe es kaum noch fachkundige Techniker, die es warten könnten.