Gehacktes Bye, bye Kim Schmitz

Kim Schmitz hat ein wachsendes Imageproblem. Seine Versuche, mit dem WTC-Anschlag für sich zu werben, wurden nun von genervten Hackern bestraft: Die Gruppe Fluffy Bunny schoss die Seite des selbsternannten Superhackers einfach ab.

Die Umtriebe des Fluffy Bunny, des hackenden rosa Kaninchens mit den ausgeprägten Rammlermerkmalen, machen mal negative, mal positive Schlagzeilen. Die neben PoisonBox wohl bekannteste Hackergruppe verziert jeden Monat zahlreiche Webseiten mit Bildern seines Markenzeichens: Eines rosa Plüschhasen mit erigiertem Penis.

Der fand sich am Donnerstagvormittag unvermittelt auf einer Website, die das ganz und gar nicht gebrauchen kann: Kimble.org. Das ist bekanntlich die Homepage des egomanischen Internet-Unternehmers Kim Schmitz, der sich selbst so gern als "Superhacker" stilisiert. Seit langem nervt und fasziniert er mit immer neuen, trotz aller Geschmacklosigkeit mitunter sogar erfolgreichen Werbeaktionen. Die Stunts der letzten Wochen brachten nun anscheinend das Fass zum Überlaufen.

Kurz nach dem 11. September ging Schmitz mit einem Fahndungsaufruf an die Öffentlichkeit: Bis zu zehn Millionen Dollar lobte er für Hinweise aus, die zur Ergreifung von Osama Bin Laden führen. Den entsprechenden Steckbrief hatten seine Webseiten-Macher kurzerhand von der FBI-Website "weggefunden".

Doch hier sollte Kim Schmitz' Engagement im Dienst der guten Sache nicht enden.

Ende letzter Woche verfiel er auf eine Werbeidee, mit der er die Gemeinde derjenigen, zu denen er angeblich gehört, endgültig gegen sich aufbrachte: Er rief "Yihat" ins Leben. Das steht für "Young intelligent Hackers against Terror" und ist angeblich eine Aktion, mit der Schmitz eine Elite-Hackertruppe zusammenbringen will, um die Konten bekannter Terroristen rund um Osama Bin Laden zu leeren. Schmitz veröffentlichte entsprechende Namenslisten, rief zu Hackaktionen auf und - benannte natürlich auch eine Adresse, an die die erhackten Kontomillionen zu senden seien. Wo könnten die Terrormillionen besser aufgehoben sein, als auf den Konten von Kim Schmitz? Seit langem munkelt es in der Internet-Branche, da wäre sowieso gerade genügend Platz.

Erste Resultate durfte "Kimble" bereits am Dienstag ernten. Tatsächlich war seine PR-Aktion von einigen Medien ernst genommen worden und hatte (wenn auch zierliche) Schlagzeilchen gemacht. Wichtiger noch: Seine Aufrufe an die Kreativität der Hacker hatte zur Produktion einiger Flash-Filmchen geführt, in denen Bin Ladens Vermögen schon einmal symbolisch vernichtet wurde (und in einem Fall auch er selbst). Held der angeblich von irgendwelchen Fans produzierten Filme: Kim Schmitz.

Wann genau die Penetranzschwelle die Duldungsfähigkeit der Leute überschritt, die Schmitz mit seiner Hacker-PR vor den eigenen Business-Karren spannen wollte, ist unklar. Auch die Hacker von Fluffy Bunny, versiert in Website-Defacements wie sonst kaum jemand, brauchen Zeit, einen ganzen Server abzuschießen.

Das aber gelang den tatsächlich jungen, intelligenten Hackern offenbar recht gründlich: Sie rasierten die Website des Superhackers und ersetzten sie durch eine ihrer berüchtigten "Stempelseiten". Mehr als ein grafisch sauber plaziertes Erektionskaninchen vor dem Hintergrund des Kimble-Designs blieb nicht übrig. Nach wenigen Stunden zog man bei Kimble die Notbremse und nahm die Seite insgesamt vom Netz. Dort findet sich - welche Schmach - nun nicht mehr als ein "Parent Directory - aber selbst das funktioniert nicht mehr.

Bis Kimble wieder voll online ist, dürften einige Bits durchs Web fließen. Kimble.org ist eine der grafikreichsten Unternehmens-Websites überhaupt. Im überbordenden Angebot finden sich unter anderem mehrere hundert großformatige Party- und Urlaubsbilder des Superhackers und Selfmade-Millionärs. Kim Schmitz in der Karibik, Kim Schmitz im Hubschrauber, Kim Schmitz mit Model am Strand, Kim Schmitz auf seiner Jacht, ... - ...und so weiter, und so fort.

Wahrscheinlich wird Schmitz versuchen, selbst diese Peinlichkeit noch für seine PR zu nutzen: Gar nicht unwahrscheinlich, dass wir ihn demnächst mit einem rosa Stoffkaninchen sehen werden. Irgendwo am Strand, im Urlaub, wo er sich von den Anstrengungen seines Jobs erholt. Sein Geld verdient Kimble unter anderem als IT-Sicherheitsberater.

Frank Patalong