Phenomedia Jagende Hühner an der Börse

Die Erfinder der Moorhuhnjagd schlucken das Neue-Markt-Unternehmen Feedback. Die Börse honoriert es.

Düsseldorf - Der Computerspiele-Spezialist Phenomedia hat 53 Prozent an der ebenfalls am Neuen Markt gelisteten Multimedia-Agentur Feedback AG übernommen und will auch die restlichen Anteile erwerben. Damit öffne sich für Phenomedia der Massenmarkt für mobile Unterhaltung, sagte Vorstandschef Markus Scheer am Donnerstag in Düsseldorf.

Mobiles Entertainment verspreche hohe Gewinne und werde künftig Phenomedia prägen. "In weniger als einem Monat wird in diesem Bereich ein größerer Deal bekannt gegeben", sagte Vorstandsmitglied Jürgen Goeldner. Der Vertrag sei schon unterzeichnet, aber der Partner könne noch nicht genannt werden.

Für 2001 halte Phenomedia an seinen Prognosen fest. Neue Planungen inklusive Feedback sollten am Jahresende veröffentlicht werden.

Aktientausch

Altaktionäre von Feedback hätten ihre Aktien gegen Phenomedia-Aktien getauscht, die aus einer noch vorzunehmenden Sachkapitalerhöhung stammten, hieß es weiter. Von institutionellen Anlegern seien Aktien im Durchschnitt zu 1,50 Euro erworben worden. Für die restlichen Aktien wolle man kommende Woche den Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten, das sich wohl am Preis von 1,50 Euro orientieren werde, sagte Scheer weiter. Mittelfristig sei das Delisting von Feedback und der Wechsel an den Geregelten Markt geplant.

Feedback verfüge über Technologien, die den Erfinder des Moorhuhn-Spiels nun zum Komplettanbieter im Bereich der mobilen Spiele machten. Bereits im April 2001 habe sich Phenomedia mit der Gründung der auf die Vermarktung mobiler Unterhaltung spezialisierten Mobile Scope AG auf diesen Mark ausgerichtet.

Der Erwerb von Feedback sei dabei ein weiterer wesentlicher Baustein. Phenomedia erhalte neben dem Zugang zu Technologien zusätzliches Fachpersonal. Dabei stünden allerdings alle Bereiche von Feedback auf dem Prüfstand und würden aufgrund der hohen Renditeanforderungen bei Phenomedia einer intensiven Analyse unterzogen. Zeitgleich mit dem Erwerb von Feedback sei der Vorstandschef von Mobile Scope, Goeldner, zum Vorstandsmitglied berufen worden, hieß es weiter.

Mobiles Moorhuhn?

Die mobile Unterhaltung stecke noch in den Kinderschuhen, eröffne aber Phenomedia und den Mobilfunkprovidern neue Wachstumsmöglichkeiten, sagte Scheer. Mit den neuen Handys können Nutzer künftig per SMS (Short Messaging Service) oder E-Mail beispielsweise Schach mit einem oder mehreren Partnern spielen. Noch in diesem Jahr werde ein Handy auf den Markt kommen, das mit einem größeren Display und den nötigen Chips ausgestattet sein werde. "Das Handy wird den Gameboy ersetzen", meinte Goeldner.

Für das laufende Geschäftsjahr halte Phenomedia an seinen Prognosen fest, die einen Umsatz von 36,6 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 13,5 Millionen Euro vorsehen. Ferner wolle die Gesellschaft künftig die Möglichkeit zum Rückkauf eigener Aktien nutzen. Nach einem Beschluss der Hauptversammlung von Ende Mai könne Phenomedia bis Ende November 2002 bis zu 420.000 eigene Aktien zurückkaufen.

Phenomedia punktet an der Börse

Die Phenomedia-Aktie kletterte im Tagesverlauf um 2,75 auf 12,35 Euro. Die Feedback-Aktie lag zeitgleich um 5,6 Prozent im Plus bei 1,90 Euro, nachdem sie in der Spitze um 30,55 Prozent auf 2,35 Euro zugelegt hatte. "Phenomedia ist eines der wenigen Unternehmen, das tatsächlich Geld verdient und noch nicht enttäuscht hat. Der Kauf von 53 Prozent der Anteile von Feedback ist erst mal als sehr positiv für beide Unternehmen zu sehen", sagte ein Händler. Vor allem private Anleger kauften die Papiere, sagte ein anderer Börsianer. Die Übernahme sei positiv zu werten, sagte Gontard & Metall-Bank Analyst Dietmar Schneider. Nach Einschätzung des Analysten ergänzen sich die Technologien von Feedback und Phenomedia sehr gut.