IBM Kopf an Kopf mit Oracle

Der PC-Markt schwächelt - nun will der IT-Riese im Software-Geschäft die Konkurrenz einholen.

Stuttgart - Die Marktaussichten sehen nicht gerade rosig aus. Schleppender Absatz von PC und Diskettenlaufwerken sowie die Konkurrenten Hewlett-Packard und Compaq, die fusionieren, könnten dem Computerkonzern IBM schon bald Schwierigkeiten machen.

Um dem Geschäft Schwung zu geben, will der IT-Riese besonders seine expandierenden Bereiche stärken. Ziel: Beim Software-Geschäft sollen die Marktführer überflügelt werden. "Bei den Datenbanken liegen wir Kopf an Kopf mit Oracle", sagte Christoph Rau, Deutschland-Chef des Geschäftsbereichs, in einem DPA-Gespräch.

Durch die Übernahme des Datenbank-Spezialisten Informix für eine Milliarde Dollar habe IBM sein Lizenzgeschäft in dem wichtigen Segment verdoppelt. Außerdem wachse das Unternehmen bei den Datenbanken für die Betriebssysteme Unix und Windows NT dreimal so schnell wie der amerikanische Konkurrent Oracle.

Ernüchterung bei E-Business

Im Bereich der Software für Internet-Infrastruktur habe IBM einen Weltmarktanteil von 30 Prozent hinter dem Wettbewerber BEA Systems mit 35 Prozent. "Wir sind gerade dabei, BEA zu überholen", sagte Rau. Im zersplitterten deutschen Markt sei IBM bereits an dem Konkurrenten vorbeigezogen.

Die Hiobsbotschaften bei Technologieunternehmen würden sich auf das Software-Geschäft von IBM nicht negativ auswirken. "Es gibt eine gewisse Ernüchterung beim Thema E-Business. Die schadet uns aber nicht, sie hilft uns eher", sagte Rau. Die Kunden würden sich nun auf die "alten IT-Werte" besinnen und stärker auf die Integration ihrer Anwendungen achten.

Integration von Informix

Die zunehmend härteren Methoden der Auseinandersetzung in der Software-Branche, zum Beispiel über provokante Anzeigenkampagnen, werde IBM nicht übernehmen, betonte Rau. "Das ist nicht unser Stil, das haben wir nicht nötig. Ich glaube nicht, dass Kunden auf Grund solcher Kampagnen unternehmenskritische Entscheidungen für neue Software treffen." IBM genieße eine hohe Glaubwürdigkeit. Mit einem Umsatz von 12,6 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr sei der in erster Linie für Hardware und Service bekannte Computerriese nach Microsoft das zweitgrößte Software-Unternehmen der Welt.

Die Informix-Produkte würden in die IBM-Familie integriert, sagte Rau. Mittelfristig sollen sie mit den DB2-Datenbanken des Konzerns zusammengeführt werden. "Neue Produkte werden wir dann nicht mehr in zwei Versionen anbieten." IBM übernimmt in Deutschland rund 100 Informix-Mitarbeiter.

Seit Juli gehören Informix und die 1995 erworbene Tochter Lotus auch gesellschaftsrechtlich zu IBM. Das bekannte Kommunikationsprogramm Lotus Notes werde weiterhin eine eigenständige Marke bleiben. Allerdings wolle IBM stärker als bisher Synergien zwischen Lotus und anderen Software-Bereichen nutzen. Wichtige Zukunftsthemen seien dabei die Bereiche Wissensmanagement und elektronisches Lernen.

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