Fußball Nun rollst du wieder, schöne Kugel

Der Streit ARD versus Kirch ist beigelegt. Ab sofort überträgt die 20-Uhr-"Tagesschau" Kurzfassungen der beiden Bundesliga-Topspiele.

Stuttgart - Der Streit um Bundesliga-Kurzberichte in der ARD-Tagesschau ist vom Tisch. Bei einem Gipfeltreffen in Stuttgart einigten sich die ARD und die Kirch-Gruppe auf einen Kompromiss. Der öffentlich-rechtliche TV-Sender darf in seiner Hauptnachrichtensendung am Samstag um 20.00 Uhr in kurzen Ausschnitten über zwei Begegnungen in einer Gesamtlänge von 90 Sekunden berichten.

Die ARD muss ihre Spiele im Normalfall bereits am Montag anmelden, bei besonderen Ereignissen sind aber Änderungen noch am Samstag nach Ende der Spiele möglich. "Die ARD ist ein Stück weit entgegengekommen. Es stand für beide Seiten viel auf dem Spiel", kommentierte der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen den neuen TV-Vertrag, der bis zum Saisonende läuft.

"Das ist für beide Seiten ein guter Kompromiss"

Im Detail sieht die Vereinbarung vor, dass die ARD bis zu zwölf Mal "maßvoll" während der Saison ihr Erstzugriffsrecht auf das Top- Spiel noch am Samstag nach 17.30 Uhr ändern kann. Für das zweite Match in der Tagesschau wurde ebenfalls eine Sonderregelung getroffen.

Insgesamt sechs Mal - jeweils drei Mal in Hin- und Rückrunde - kann der Sender das am Montag gewählte Spiel am Samstag ändern, falls andere Begegnungen torreicher oder spektakulärer waren. Die Frage, wann die Spiele benannt werden müssen, hatte sich als Knackpunkt bei den Verhandlungen über den 31 Millionen Mark teuren Fernsehvertrag erwiesen.

Auslöser des Streits war die Verlegung der Bundesliga-Sendung "ran" von SAT.1 auf 20.15 Uhr und damit auf einen Sendeplatz nach der ARD-Tagesschau. Durch die Einigung entfallen weitere juristische Schritte. Das Landgericht München hatte in erster Instanz einen ARD- Antrag auf Einstweilige Verfügung gegen die Kirch-Gruppe auf Erfüllung des noch ein Jahr laufenden TV-Vertrages abgelehnt.

"Ich bin glücklich über die Einigung. Sie kommt letztlich dem Fußball zu Gute", sagte Gerhard Mayer-Vorfelder. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte als Gastgeber das Treffen im Schlossgarten-Hotel angeregt. Für den Rechteinhaber Kirch-Media erklärte der Stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dieter Hahn: "Das ist für beide Seiten ein guter Kompromiss."

Neues Modell mit zwei Sendungen am Samstag?

Für die ARD ist mit dem Stuttgarter Kompromiss auch die Bundesliga-Nachberichterstattung sonntags in den dritten Programmen gesichert. Möglicherweise kehrt sogar die Bundesliga am Samstag um 18.00 Uhr zur ARD-Sportschau zurück. Im Fußball-Lager und bei der Kirch-Gruppe wird nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Bild-Zeitung" über ein neues Modell mit zwei Sendungen am Samstag nachgedacht.

Sollte die Einschaltquote für "ran" - zuletzt nur 2,05 Millionen Zuschauer - konstant niedrig bleiben, könnten frühestens vom Januar 2002 an eine kurze und kompakte Zusammenfassung zwischen 18.00 und 20.00 Uhr sowie ein längeres Bundesliga-Magazin um 22.00 Uhr ausgestrahlt werden. Als Sender kommen neben SAT.1 (für beide Formate) auch das ZDF (für die späte Zusammenfassung) und die ARD (für die frühe Kompaktsendung) in Frage.

Mit dem Verkauf der Bundesliga-Rechte an die öffentlich- rechtlichen Sender würde die Kirch-Gruppe ihre Kasse auffüllen. Das Unternehmen zahlt pro Saison im Schnitt 750 Millionen Mark an die DFL und schreibt mit der Fußball-Bundesliga zumindest in Deutschland sowohl im Free-TV (SAT.1) als auch im Pay TV (Premiere World) rote Zahlen.