"FAZ" Investitionen relativiert

Bei dem ehrgeizigen Projekt einer Sonntagszeitung schaut der Verlag ganz genau auf die Kosten.

Frankfurt - Das Prestigeprojekt "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" des FAZ-Verlags kostet das Verlagshaus weniger als bisher angenommen. Geschäftsführer Jochen Becker beziffert die Kosten auf deutlich weniger als 100 Millionen Mark. Das berichtet die "Financial Times Deutschland". Es werde weder bei den redaktionellen Mitarbeitern noch im Verlagsbereich große Aufstockungen geben. Die neu geschaffenen 40 Arbeitsplätze würden auf anderer Seite innerhalb des Verlags eingespart.

Schrumpfende Werbeeinnahmen

Der Rechtfertigungsdruck von Becker erscheint groß. Mächtig lastet auch auf dem FAZ-Verlag der Rückgang der Werbeeinnahmen. Der Jahresüberschuss 2001 werde auf dem Niveau von 1999 liegen, hieß es. Das bedeute ein Minus im Vergleich zum Boomjahr 2000 von 16 Prozent. Auch für das kommende Jahr rechnet Becker damit, dass weniger verdient wird.

Für die Sonntagszeitung erwartet Becker Werbeeinnahmen von rund 40 Millionen Mark im Jahr. Die Hälfte der Einnahmen sollen dabei aus dem Verkauf am Kiosk und aus Abos, die andere Hälfte aus Werbung generiert werden.

Verlag will Abhängigkeit von "FAZ" reduzieren

Mit dem ehrgeizigen Projekt sagt die "FAZ" dem Axel Springer Verlag den Kampf an. Der Verlag bestreitet den Sonntag mit der "Welt am Sonntag" und der "Bild am Sonntag" mehr oder weniger allein. Die Karten werden neu gemischt, der Markt wird in schlechten Zeiten verteilt und nicht in guten - Becker gibt sich optimistisch.

Dabei kann selbst der FAZ-Verlag für seine bisherige Regionalausgabe der Sonntagszeitung keine Lorbeeren ernten. Der Verlag macht mit dem Blatt jährlich bis zu 15 Millionen Mark Verlust. Doch auch andere Verlage tun sich am Sonntag schwer. Die Sonntagsausgabe des "Tagesspiegels" (Holtzbrinck) soll die Zeitung erheblich belasten.

Der FAZ-Verlag will sich derweil neu aufstellen: Geplant ist es, die Abhängigkeit von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" deutlich zu mindern und neue Erlösquellen zu eröffnen. Radio, TV und Internet sollen dabei helfen. Im Internet will der Verlag demnächst Gebühren einführen, im TV-Geschäft strebt er weitere Kooperationen an. Und das FAZ Business Radio soll bundesweit ausgestrahlt werden. Derzeit ist es nur in Berlin zu hören, der Start in München steht aber unmittelbar bevor, und in Hessen bewirbt sich der Sender um drei UKW-Frequenzen.