Web-Wirklichkeit Trip durch die Hölle

E-Business ist teuer, kompliziert und riskant. mm zeigt, wie Sie die sieben Todsünden vermeiden - und wo Sie die richtige Unterstützung finden.

Hamburg - Auspacken, Einschalten, Geht nicht - AEG. Bei der Umsetzung seines Internet-Konzepts geriet der verballhornte Werbespruch für den Nürnberger Hausgerätehersteller zur bitteren Wahrheit.

Dabei klang die Idee so brillant: Die rund 15.000 AEG-Vertragspartner werden via Netz an das Unternehmen angeschlossen. Mit Hilfe der Web-Technik können die Händler aktuelle AEG-Produkte auf ihrer Homepage zeigen, die Geräte direkt im Stammhaus bestellen und den Lieferstatus laufend kontrollieren.

Der Ärger begann, als die Zentrale eingriff. Die Führung der schwedischen AEG-Mutter Electrolux wünschte ein gemeinsames E-Konzept für alle Tochterunternehmen.

In den Landesgesellschaften aber waren Daten wie Artikelbezeichnungen, Lieferkonditionen oder Kundennummern höchst unterschiedlich codiert. Für die Einheitslösung mussten mühsam Standardformate entwickelt werden.

Das von Electrolux ausgewählte E-Business-Programm von IBM lief auf den AEG-Rechnern nicht. Zudem konnte die amerikanische Software keine Umlaute darstellen, deutsche Namen brachten das Programm durcheinander.

Folge des Wirrwarrs: Das Projekt liegt neun Monate hinter dem Zeitplan zurück. Etliche der ursprünglich vorgesehenen Funktionen entfallen.

Ein besonders krasser Einzelfall? Von wegen. Die AEG zeigt beispielhaft, wie es um die E-Business-Bemühungen in Deutschlands Unternehmen bestellt ist.

Bei der Umsetzung verführerischer Web-Visionen in die Realität häufen sich Fehler, Funktionsmängel und Verzögerungen. Fast überall dauern Internet-Projekte länger, sind teurer, personalintensiver und riskanter als zunächst kalkuliert.

Oftmals erfüllen die ambitionierten Versuche, das Unternehmen mit Zulieferern, Kunden oder Partnern zu vernetzen, nicht die hoch gesteckten Erwartungen.

War's das also mit E-Business? Stellt sich die Aufregung um die angeblich gigantischen Perspektiven, die das Internet Unternehmen bietet, ebenso als Schimäre heraus wie die Börseneuphorie des Jahres 1999? Haben jene Skeptiker Recht, die alle E-Versprechungen für heillos übertrieben halten und daher auf Web-Aktivitäten weitgehend verzichten?

Bei aller gebotenen Vorsicht gegenüber Prognosen: Wer so denkt, unterliegt einer gefährlichen Fehleinschätzung. Kein Unternehmen kann sich dem Internet entziehen, genauso wenig wie Firmen vor mehr als 100 Jahren das Telefon ignorieren konnten. Jene, die sich heute angesichts von Dotcom-Sterben und E-Ermüdung zufrieden zurücklehnen, gehören morgen zu den Verlierern.

Das Internet verschafft Vorteile im Wettbewerb. Die Möglichkeit, mit Tausenden von Kunden, Zulieferern, Partnern und Mitarbeitern überall auf der Welt zur gleichen Zeit, zu niedrigen Kosten und mit geringem technischen Aufwand zu kommunizieren, bietet riesige Chancen. Sie nicht zu nutzen heißt, im Konkurrenzkampf zurückzufallen.

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