Sat.1 / ARD "Der Gigant Fußball könnte zusammenbrechen"

Die Diskussion um "ran" reißt nicht ab. Trotzdem hält der ProSiebenSat.1-Vorstand Urs Rohner am umstrittenen Sendeplatz fest.

München - Angesichts der niedrigen Einschaltquote hält der Programmchef des Fernsehsenders Sat.1, Martin Hoffmann, eine Verschiebung der Fußballsendung "ran" auf einen früheren Sendeplatz zum Jahresende offenbar für möglich.

"Wir werden die Akzeptanz des Sendeplatzes 20.15 Uhr prüfen und bis zum Ende der Hinrunde in der Bundesliga analysieren", sagte Hoffmann. Rechteinhaber und Muttergesellschaft Kirch-Gruppe habe Sat.1 zwar die Fußballrechte nur für 20.15 Uhr angeboten. "Wir sind aber alle vernunftbegabt. Es kann Modifikationen im Vertrag geben, wenn es erforderlich ist", sagte er.

Der Vorstandschef der Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media AG, Urs Rohner, widersprach jedoch und sagte, der Vertrag gelte für eine ganze Saison. "An dem Sendeplatz wird nicht gedeutelt", so Rohner. "Es gibt überhaupt keinen Anlass, über Modifikationen nachzudenken." Die Sender seien sich des Risikos des neuen Sendeplatzes durchaus bewusst gewesen. Er werde sich aber sicher beim Publikum durchsetzen.

Kirch bestand auf 20.15 Uhr

Die Kirch-Gruppe hatte beim Verkauf der Bundesligarechte an Sat.1 auf eine Verschiebung der Sendung "ran" auf Samstags 20.15 Uhr vom traditionellen Sendeplatz 18.30 Uhr bestanden. Damit will Kirch vor allem das schwach laufende Bezahlfernsehen Premiere World, das die Spiele am Nachmittag live überträgt, stärken.

Doch die Einschaltquoten von "ran" an den vergangenen beiden Samstagen lagen mit 2,2 beziehungsweise nur 2,05 Millionen Zuschauern weit hinter den Erwartungen zurück. "Drei Millionen sind schon anvisiert gewesen", sagte Hoffmann.

Werbekunden mucken auf

Inzwischen sollen auch Werbekunden die schwachen Einschaltquoten moniert haben. Jürgen Blomenkamp, Geschäftsführer der Agentur Mediacom (Grey-Gruppe), empfiehlt Sat.1 die Rückkehr zum 18.30-Uhr-Termin. Nur bei größerer Massenattraktivität rechnen sich die Marketingmaßnahmen. Sonst stehen die vielen Millionen Mark von Sponsoren und Werbekunden auf dem Spiel.

In die Debatte um die Aufgabe der Fußballberichterstattung am frühen Samstagabend hat sich inzwischen sogar Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eingeschaltet. Er äußerte sein Bedauern über die Verlegung und sagte, er wolle die Sendung nicht ansehen, denn seine Familie gehe vor. Martin Hoffmann sprach von Meinungsmache gegen Kirch und Sat.1.

Schadet Diskussion dem Bundesliga-Image?

Borussia Dortmunds Präsident Gerd Niebaum äußerte sich bereits zuvor, dass er "ran" kaum noch eine Chance gebe. Während die Fußballclubs FC Bayern und TSV 1860 inzwischen auf Grund des Streits mit der ARD um die Fußballberichterstattung in der "Tagesschau" den öffentlich-rechtlichen Sender boykottieren, erhält Niebaum von führenden Werbeagenturen Unterstützung. Seine Sorge, die Bundesliga könne einen erheblichen Imageverlust erleiden, kann Klaus Scharf, Leiter Research der Frankfurter Agentur Ogilvy & Mather, nachvollziehen. "Es deutet sich schon an, dass sich der Fan von der Geldmaschinerie Bundesliga abwendet," so Scharf. "Die Frage nach der Markenpflege für die Bundesliga ist müßig, wenn es in der derzeitigen Gemengelage aus wirtschaftlichen Interessen einem Vertragspartner gar nicht um die Pflege der Marke Bundesliga geht."

Der Gigant Fußball könnte zusammenbrechen, warnte auch Kreation-Geschäftsführer Stephan Zilges von der Düsseldorfer Agentur BBDO. "Fußball an sich ist eine Ikone in Deutschland, aber das war Tennis auch schon mal. Die Marke Bundesliga leidet, denn sie hat sich für jedermann offensichtlich verkauft und findet durch die brutale Verlegung in den Familienabend fast schon unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt."

Im Streit zwischen ARD und Kirch um die Fußball-Berichterstattung in der "Tagesschau" wird am Freitag die nächste Runde eröffnet. In einem Gipfeltreffen an sitzen sich der Kirch-Manager Dieter Hahn und die ARD-Intendanten Fritz Pleitgen, Jobst Plog und Peter Voss an einen Tisch. eingeladen hat DFB-Präsident Gerhard Mayer- Vorfelder. Auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) soll mit am Verhandlungstisch sitzen.