Libro Kein Geschäft mit Literatur

Abgeschmiert. Der Web-Buchhändler hat den Jahresfehlbetrag auf 180 Millionen Euro ausgeweitet.

Frankfurt - Die österreichische Buch- und Medienkette Libro muss für das Geschäftsjahr 2000/2001 einen Jahresfehlbetrag von 180 Millionen Euro ausweisen. Die Libro-Gruppe, die bereits am 29. Juni Vergleich angemeldet hatte, begründet diese negativen Zahlen mit operativen Verlusten in den Teilbereichen Libro und Amadeus sowie dem fehlgeschlagenen Großflächenkonzept. Zudem sei die Ausweitung der Geschäftstätigkeit in Deutschland Schuld an den tiefroten Zahlen.

Der vorläufigen Bilanz zufolge investierte die Gruppe allein in die deutschen Aktivitäten im vergangenen Geschäftsjahr 49 Millionen Euro. Auch der Web-Shop Lion.cc verzehrte mit 41 Millionen Euro sehr viel Geld. Libro Österreich verbrauchte im gleichen Zeitraum 36 Millionen Euro. Amadeus hatte 33 Millionen Euro verschlungen. Im Geschäftsjahr 1999/2000 verbuchte das Unternehmen einen Jahresfehlbetrag von lediglich vier Millionen Euro.

Heilloses Durcheinander

Bereits Anfang Juli hatte die Gruppe den Rückzug aus dem Deutschland-Geschäft angekündigt, der Ende August abgeschlossen sein soll. Dieser Ankündigung war die Schließung von 14 Libro-Filialen vorausgegangen. Libro begründete den Rückzug damit, sich auf das Kerngeschäft wie den Verkauf von Büchern konzentrieren zu wollen. Mitte Juli kam es zu Lieferengpässen beim Libro-Tochterunternehmen Lion.cc. Dort wurden Kunden, die günstige DVDs bestellt hatten, immer wieder mit derselben Stellungnahme hingehalten. Demnach verzögere sich die Auslieferung "aufgrund von Schwierigkeiten mit dem Lieferanten". Zugleich verwies der Kundenservice auf die schwierige Lage des Mutterunternehmens Libro.