Bertelsmann Musikindustrie will schnelle Entscheidung

Trotz starken Drucks der US-Plattenindustrie steht der Medienkonzern weiter zu Napster.

San Francisco - Trotz weiterer rechtlicher Schritte der US-Plattenindustrie gegen Napster hält die Bertelsmann E-Commerce Group (BeCG) an der Allianz mit der umstrittenen Musiktauschbörse fest. "Unser Bekenntniss zu Napster als Partner bleibt voll bestehen", sagte BeCG-Sprecher Alexander Adler. Die Zusammenarbeit konzentriere sich auf ein Geschäftsmodell, das den Ansprüchen von Plattenindustrie, Musikliebhabern und Künstlern gerecht werde.

Die amerikanische Musikindustrie will, dass die umstrittene Musiktauschbörse Napster schnell wegen Urheberrechts-Verletzung zu Schadenersatz verurteilt wird. Das hat der Verband der Plattenindustrie (Recording Industry Association of America/RIAA) bei Bezirksrichterin Marilyn Patel in San Francisco (Bundesstaat Kalifornien) beantragt. Nach US-Medienberichten vom Mittwoch will der Verband dadurch einen langwierigen Prozess vermeiden.

In einer gerichtlichen Eingabe erklärt er, dass Napster bewusst das Copyright verletzt und von dem kostenlosen Austausch der Musikstücke finanziell profitiert habe. Die Industrie hat eine Anhörung für den 1. Oktober beantragt.

Illegaler Musiktausch

Richterin Patel hatte die Tauschgeschäfte der Musikbörse im vergangenen Jahr für illegal erklärt. Nach ihrem Urteil darf Napster erst wieder den Betrieb aufnehmen, wenn sichergestellt ist, dass geschützte Musiktitel aus dem Angebot zu 100 Prozent herausgefiltert werden. Napster hatte Anfang Juli das Musikangebot selbst vom Netz genommen, um nach eigenen Angaben eine neue Filter-Software zu installieren. Mitte Juli erlaubte ein Berufungsgericht dem Unternehmen, seinen Online-Service wieder aufzunehmen.

Fünf Dollar für Musik

Noch in diesem Sommer will Napster seinen neuen kostenpflichtigen Mitgliederservice testen. Die Musiktauschbörse arbeite unter Hochdruck daran, aus dem ehemaligen Gratisangebot ein funktionierendes Unternehmen zu machen, sagte der neue Napster-Geschäftsführer Konrad Hilbers dem Hamburger Magazin "Stern" in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview. "Napster ist nicht tot." Für fünf Dollar im Monat sollen Napster-Nutzer in Zukunft Musikstücke tauschen können. Die Gebühr sei notwendig, um die Musiker zu bezahlen.

"Die Nutzer werden weiterhin Musik tauschen und miteinander chatten können", sagte der Napster-Chef. Eine Software erstelle eine Art elektronischen Fingerabdruck für jedes Musikstück, verwandle es in das neue Dateiformat NAP und verhindere so unerlaubtes Kopieren. Napster verfüge über Vereinbarungen mit über 200 unabhängigen Plattenlabels und Lizenzverträge mit Musicnet, der Online-Kooperation von BMG, Warner Music und EMI.