Tomorrow Internet Merger mit Focus Digital

Die Internet-Tochter der Verlagsgruppe Milchstrasse und Focus Digital wollen fusionieren. Im Zuge des Zusammenschlusses drohen Entlassungen. Die Aktien der beiden Unternehmen ziehen am Mittwoch deutlich an.

Hamburg - Die beiden Neue-Markt-Unternehmen Tomorrow Internet und Focus Digital, Internet-Tochter des Burda-Verlags, wollen zukünftig gemeinsame Wege gehen und zum größten Internet-Medienkonzern Deutschlands verschmelzen. Zurzeit verhandeln beide Verlags-Töchter über eine Fusion. Die Aufsichtsräte beider Unternehmen haben die Vorstände mit dem Merger beauftragt, hieß es in einer Ad-hoc-Meldung.

Das neue Unternehmen soll künftig als Tomorrow Focus AG firmieren. Hauptsitz des neuen Unternehmens soll München werden, Hamburg bleibt als weiterer Standort aber bestehen. Vorstand der Tomorrow Focus AG soll Jörg Bueroße werden, bisher Vorstandschef der Focus Digital AG. Tomorrow-Vorstandschef Christian Hellmann soll den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen.

Tomorrow entlässt Mitarbeiter

Für das Jahr 2002 wird mit einem Gesamtumsatz im dreistelligen Millionenbereich gerechnet. Zusammen publizieren beide Unternehmen 18 Online-Portale. Nach einer Fusion eröffneten sich dem Unternehmen Synergien im redaktionellen, im technischen und im Vermarktungs-Bereich, hieß es. Erst am Dienstag dieser Woche hat Tomorrow Internet den Online-Vermarkter 100world.media AG übernommen und war mit rund 600 Millionen Page-Impressions im Vermarktungs-Portfolio zum größten Internet-Vermarkter in Deutschland aufgestiegen.

Im Zuge der Fusion sollen 40 Mitarbeiter der Tomorrow Internet entlassen werden, verkündete das Unternehmen auf der Betriebsversammlung am Mittwoch. Zur Zeit beschäftigt Tomorrow Internet noch 180 Mitarbeiter. Betroffen sollen weniger die Redaktionen als Beschäftigte in Vertrieb und Technik sein. Neben der Personalfrage stehen auch die Internetangebote auf dem Prüfstand. Doch will das Hamburger Internetunternehmen seine Business-Angebote zunächst beibehalten. Eine Kooperation mit dem Burda-Angebot Focus Money Online ist wahrscheinlich. Ob auch bei der Münchner Focus Digital Angestellte gehen müssen, ist derzeit nicht bekannt.

Analysten bewerteten den Zusammenschluss positiv. "Die angestrebte Fusion ist für beide Unternehmen positiv, da die Inhalte-Lieferanten bisher als Konkurrenten aufgetreten sind", sagte auch Karsten Siebert vom Frankfurter Analystenhaus Independent Research. Manche Doppelfunktion könne jetzt eingespart werden. Der Aktienmarkt verhielt sich entsprechend, beide papiere legten im Kursverlauf deutlich zu.

Milchstrasse auf Sanierungskurs

Mit dem Schritt, Tomorrow Internet mit Focus Digital zu verschmelzen, unternimmt Verleger Dirk Manthey nun einen weiteren Schritt zur Umstrukturierung seines Verlags. Angesichts sinkender Auflagen und Werbeeinnahmen hat der Verlag erst vor kurzem die Internet-Zeitung "Net-Business" verkauft und eingestellt, das einstige Flaggschiff "Tomorrow" änderte seinen 14-tägigen Erscheinungsrhythmus in einen monatlichen. Bereits seit Anfang des Jahres wurde ein Großteil der Mitarbeiter der Tomorrow Internet AG entlassen, Websites eingestellt und eine Zentralredaktion etabliert, die sämtliche Internet-Angebote bedienen sollte.

Rettender Anker bei allen Sanierungsmaßnahmen der Verlagsgruppe Milchstrasse ist der Münchner Großverlag Burda. Der Verlag ist bereits an mehreren Milchstrassen-Titeln beteiligt. Mitte Juli übernahm er zuletzt 49 Prozent des einst so erfolgreichen Internet-Konsumentenmagazins Tomorrow.

So erscheint die Fusion der beiden verlustreichen Internet-Töchter Tomorrow Internet und Focus Digital fast als gewöhnliche Fortsetzung einer lange gehegten Tradition. Erst kürzlich hatten beide Unternehmen angekündigt, künftig eng zusammenzuarbeiten. Wie eng, war zum damaligen Zeitpunkt jedoch noch nicht abzusehen.

Verlust-Unternehmen

Sowohl Tomorrow Internet als auch Focus Digital schrieben im ersten Quartal 2001 rote Zahlen. Tomorrow Internet-Chef Christian Hellmann erwartet nach der bevorstehenden Fusion seines Unternehmens mit Focus Digital dauerhaft schwarze Zahlen für das neue Unternehmen. "Wir rechnen mit Einsparungen von etwa 25 Millionen Mark jährlich", so Hellmann.

Der Hamburger Internet-Medienanbieter Tomorrow Internet weitete im ersten Quartal seinen Konzernverlust auf 3,5 Millionen Euro von 1,58 Millionen Euro in der AG im Vorjahresquartal aus. Der Umsatz erhöhte sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 67 Prozent auf 4,72 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2001 rechnt die Gesellschaft bei einem Umsatz von 65 Millionen Mark mit einem Netto-Verlust von 8,3 Millionen Mark.

Auch die Münchner Focus Digital AG verzeichnete im ersten Quartal 2001 einen Verlust. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) belief sich nach Angaben von Mitte Mai auf minus 6,4 Millionen Mark nach einem Plus von 0,6 Millionen Mark im Vorjahresquartal. Der Umsatz stieg hingegen um 19,8 Prozent auf 6,7 Millionen Mark. Für 2001 rechnen Analysten mit einem Ebit-Verlust von 34 Millionen Mark bei einem Umsatz von 50 Millionen Mark.

ak

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