Mittwoch, 22. Mai 2019

RTL II Abgespeckt

"Big Diet" ist verhungert. Weder Schreinemakers noch Elvers kamen mit der Sendung an. Trotz Misserfolg will der Sender aber weiter auf Real-Life-Formate setzen.

Absahnen mit Diät: Jenny Elbers (schlank) im Kreise ihrer Kandidaten (jetzt auch schlank).

Hamburg - Ende für die RTL-II-Show "Big Diet": Die letzte Folge der vorzeitig beendeten Reihe sahen am Sonntagabend 820.000 Zuschauer (3,3 Prozent Marktanteil). Zwei Kandidaten, Eva und Michael, die ihr Idealgewicht erzielten, werden nun mit insgesamt 900.000 Mark in Gold belohnt, sollten sie bis Ende des Jahres ihr Gewicht halten. "Big Diet", das am 27. Mai startete, sollte ursprünglich mehr als 100 Tage lang dauern. Doch wegen geringer Quoten und daher zu geringer Werbeeinnahmen wurde die Dauer verkürzt.

Schwimmender Kontakthof für die Quote

RTL II kündigte jedoch am Montag an, weiterhin Real-Life-Formate in seinem Programm zu bieten. Am 12. August startet die Reihe "Boat of Love", in der sich 24 junge Leute bei einem Segeltörn durchs Mittelmeer näher kommen sollen. Am 11. September geht die zweite Staffel der Reihe "Pop Stars" auf Sendung. Wieder wird eine Pop-Band gesucht. Mit der ersten Staffel schlug die Geburtsstunde der "No Angels", die in Deutschland auf Anhieb den Weg in die Charts fanden.

Ungewiss ist vorerst die Zukunft von "Big Diet"-Moderatorin Jenny Elvers - die 28-Jährige wartet nun auf Anschlussaufträge. Ihr Manager und Lebensgefährte Götz Elbertzhagen sagte am Montag, es werde an einem TV-Format aus dem Bereich "Lifestyle, Fashion und Boulevard" gearbeitet.

Elvers hatte schon vor ihrem Antritt erklärt, wenn die Sendung mit ihr scheitern sollte, treffe sie keine Schuld. Die ehemalige Heidekönigin, die mit ihrer kurzen Liaison mit "Big Brother"-Bewohner Alexander Jolig (von ihm hat sie ihr Kind Paul) für Aufsehen sorgte, hatte die Moderation von Margarethe Schreinemakers übernommen.

Unübersehbare Verluste

Wie hoch die Verluste für RTL II sind, ist nicht sicher. Die Kosten der Reihe wurden ursprünglich auf etwas mehr als 30 Millionen Mark fixiert. Durch die zwischendurch bis zu 73 Prozent drastisch reduzierten Werbepreise fielen die Einnahmen deutlich geringer als erwartet aus.

Das Defizit dürfte mehrere Millionen Mark betragen. Dennoch gehört der Sender mit einem Umsatzanstieg von rund 65 auf 481 Millionen Mark brutto im Vergleich des ersten Halbjahr 2000 mit den ersten sechs Monaten dieses Jahres 2001 zu den Siegern im TV-Geschäft.

Doch nach dem Scheitern mehrerer Formate soll die Position von Geschäftsführer Josef Andorfer in der RTL Group nicht mehr so sicher sein wie noch vor einem Jahr. Der Österreicher hatte seinen Vertrag nach dem furiosen Start von "Big Brother" im Frühjahr 2000 um fünf Jahre verlängert. In der Öffentlichkeit wollte Andorfer in den vergangenen Wochen zu der Entwicklung von RTL II keine Stellung nehmen.

Lange Liste der Endemol-Pleiten

Auch für den holländischen Fernsehproduzenten Endemol hat sich mit dem vorzeitigen Ende von "Big Diet" die Liste der Pleiten verlängert: Nach dem enttäuschenden "Big Brother III" (RTL/RTL II), dem SAT.1-"Millionenquiz" und der täglichen Real-Life-Soap "Der Frisör" (RTL) ist "Big Diet" das vierte Format innerhalb kurzer Zeit, das keinen Erfolg hatte.

Trotzdem muss Endemol derzeit nicht um seine Marktmacht bangen: Für RTL produziert der Konzern die Quizshow "Wer wird Millionär?" - derzeit noch ein Erfolgsschlager im deutschen Fernsehen.

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