Microsoft "Der Konzern verhält sich wie eine Regierung."

"Täuschung und unfaire Mittel." US-Datenschützer machen Front gegen Windows XP.

New York - Einige der bekanntesten US-Datenschützer haben eine gemeinsame Beschwerde bei der Federal Trade Commision (FTC) eingereicht, um Microsoft an der Integration seiner Passport-Dienste in Windows XP zu hindern. Nach Informationen des Internet-Informationsdienstes "Heise-Online" wurde die eingabe vom Electronic Privacy Information Center (EPIC) und Junkbusters koordiniert. Den Datenschützern zufolge gehe es Microsoft bei seinem Passport-System in erster Linie um das Sammeln personenbezogener Informationen. Um dieses Ziel zu erreichen, setze Microsoft "Täuschung und unfaire Mittel" ein.

"Kein Fort Knox des Internet-Datenschutz."

Das Passport-System ist Teil von Microsofts .NET-Strategie und der Hailstorm-Offensive; es stellt eine Online-Identität für Internet-Benutzer dar. Ein Microsoft-Passport soll dazu dienen, sich gegenüber Microsoft selbst sowie Website-Betreibern, die Passport lizenziert haben, auszuweisen und beinhaltet sogar Passwörter und Kreditkarten-Daten für die Bezahlung im Netz. Alle diese Daten speichert Microsoft auf einem zentralen Server. Das Ziel soll ein umfassender Service sein, mit dem die Benutzer fast alle Netzaktivitäten, vom Online-Einkauf bis zum Vereinbaren von Arztterminen über den Microsoft-Dienst abwickeln können, egal mit welchem Gerät sie sich Zugang zum Netz verschaffen.

Marc Rotenberg, dem Chef von EPIC, gefällt die Vorstellung einer umfassenden Datensammlung bei Microsoft überhaupt nicht. Er weist darauf hin, das Microsoft sich "keinen Namen als das Fort Knox des Internet-Datenschutz" gemacht habe. Das Hailstorm-Projekt habe das Potential, den Konzern als Mittelpunkt eines grossen Teils aller Online-Dienste und des Internethandels zu etablieren.

Laut Microsoft haben bereits 100 Millionen Menschen einen Passport, die meisten haben ihn durch die Anmeldung beim kostenlosen E-Mail-Dienst Hotmail erhalten. Auch für einen Teil anderer Microsoft-Dienste setzt der Konzern mittlerweile einen Passport voraus. Mit Windows XP ist die Online-Identität nun zu einem zentralen Bestandteil der neuen Strategie geworden.

Die Datenschützer unterstellen Microsoft unfaire Methoden, denn wenn man sich mit dem neuen Betriebssystem zum ersten Mal ins Netz einwähle, fordere das System den Benutzer auf, sich bei Passport anzumelden. Dies geschehe mit dem Hinweis, dass ein Passport nötig sei, um Zugriff auf .NET-Features und die integrierten Kommunikationsdienste (wie den Messenger) zu erhalten. Unbedarften Benutzern könne der Passport als Voraussetzung für die Nutzung des Betriebssystems und sogar des Internet selbst erscheinen.

"Der Datenschutz ist gewährleistet."

Microsoft erwiderte auf die Beschwerde, dass der Datenschutz jederzeit gewährleistet sei. Die Firma sei nicht daran interessiert, die von Hailstorm gesammelten Daten an Dritte weiterzugeben. Stattdessen sieht der Software-Konzern die leichter zu realisierende Bezahlung der angebotenen Online-Dienste als Haupteinnahmequelle.

Der Junkbusters-Chef Jason Catlett kommentierte: "Microsoft klingt irritierenderweise wie eine Regierung: Sie stellen Passports aus, kontrollieren Identitäten und erheben Gebühren auf Transaktionen." Microsoft sah sich bereits gezwungen, die Nutzungsbedingungen für Passport zu ändern, nachdem es zu massiven Datenschützer-Protesten gegen die alten Bedingungen kam.