MB Software Der nächste Pleitekandidat

Zahlungsunfähig - das Software-Unternehmen hat einen Antrag auf Insolvenz gestellt.

Hameln - Die auf Systemlösungen für die Baubranche spezialisierte MB Software AG hat wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt. Der Antrag sei vor dem zuständigen Amtsgericht Hameln eingereicht worden, teilte das Unternehmen am Freitag in einer Pflichtveröffentlichung mit.

MB verfüge über nicht mehr ausreichend liquide Mittel, um ihren Verbindlichkeiten nachzukommen. Gespräche mit verschiedenen Investoren hätten nicht rechtzeitig zu den erforderlichen Abschlüssen gebracht werden können, hieß es. Der MB-Aktienkurs brach nach einer zeitweisen Handelsaussetzung in der Spitze um 60 Prozent auf 0,28 Euro ein. Bei der Gesellschaft war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Jahresabschluss verzögerte sich

MB Software ist das elfte Unternehmen am Neuen Markt, das Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Der auch auf Internet-Business-Anwendungen spezialisierte Softwareanbieter hatte Ende Juni einen deutlich höheren Verlust für das Geschäftsjahr 2000/01 (zum 31. März) angekündigt als die von Analysten prognostizierten sieben Millionen Euro.

Als Begründung hatte MB bilanzielle Wertberichtigungen und Abschreibungen genannt. Beim Umsatz seien mit 41,1 Millionen Euro die Analystenschätzungen von 39,8 Millionen Euro leicht übertroffen worden. Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses verzögere sich wegen der komplexen Prüf- und Bewertungsprozesse, hieß es Ende Juni.

Ausverkauf

Trotz des Insolvenzantrages wolle die Konzernspitze das Unternehmen weiter führen und ein umfangreiches Sanierungs- und Restrukturierungskonzept umsetzen, teilte MB am Freitag weiter mit. Als eine der ersten Maßnahme sei die Neocron-Technologie der MB-Tochter Reakktor GmbH an die Schwiezer System GmbH aus Hannover verkauft worden. Darüber hinaus habe MB seine Tochter Mychannel GmbH an die Mainzer Erodata GmbH veräußert. MB verhandle außerdem mit einigen Investoren weiter.

Die Ergebnisbelastungen im Ende März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr hatte MB Software unter anderem auf außerplanmäßige Abschreibungen im Geschäftsbereich Beteiligungen zurückgeführt. Dort seien einmalige Wertberichtigungen auf zugekaufte Unternehmen entstanden.

Außerdem seien Abwertungen auf im eigenen Bestand gehaltene Aktien infolge der schlechten Kursentwicklung vorgenommen worden. Die Deutsche Börse hatte die MB-Software-Aktien in Zusammenhang mit dem Insolvenzantrag am Freitagnachmittag für eine Stunde vom Handel ausgesetzt.

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