Gentechnologie Ein Schuss ins Blaue

Wieder andere meinen gar, er sei nicht ganz klar im Kopf. Einer, der jeden Werktag einen anderen seiner fünf Porsches fährt und am Wochenende "Shadow", "Marley" und "Cricket" ausführt, die drei Riesenpudel seiner Frau - merkwürdig.

Der Aufstieg des Professors für Physiologie und Pharmakologie zum Champion der Genomik begann spät: Die erste Hälfte der 60er Jahre verbrachte der Blondschopf als passionierter Surfer an kalifornischen Stränden. Statt zur Uni ging er für ein Jahr als Sanitäter nach Vietnam.

Das Elend der Verwundeten brachte ihn zur Medizin. Deren begrenzte Möglichkeiten ließen ihn das Fach wechseln. Er machte seinen Abschluss in Biochemie und konzentrierte sich auf die Forschung. Zehn Jahre brauchte er, um am National Institute of Health (NIH) ein einziges Gen zu entziffern ­ eines von über 30.000.

Die mühselige Tüftelei ging ihm zu langsam. 1992 verließ Venter das NIH und gründete "The Institute for Genomic Research", abgekürzt Tigr Lab. Dort, so nahm er sich vor, wollte er exzellente Grundlagenforschung betreiben - ohne die Hemmnisse des Behördenapparats.

"Ich widerspreche nicht, wenn man mich als sehr konkurrenzfähig beschreibt", sagt Venter etwas gespreizt, wenn man ihn fragt, was ihn antreibt. Einer, der den Wettkampf liebt - auch beim Segeln. Mit der 25-Meter-Jacht "Sorcerer" (Hexenmeister) hat er 1997 am Trans-Atlantic-Race teilgenommen, seine erste Hochseeregatta.

Er hat, ganz Erfolgsmensch, das Rennen gewonnen.

Venters Zauberwort heißt Tempo. Aber sein Erfolg basiert nicht auf hektischem Gestrampel. Vielmehr hat er zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Methoden Geschwindigkeit und Effizienz kombiniert. Er hat revolutionäre Labortechnik mit ultraschnellen Rechnernetzen und innovativer Software zusammengebracht. Und er hat Verfahren verwendet, denen andere nicht trauten.

So hat Venter erstmals die "Schrotschuss-Methode" erfolgreich eingesetzt. Sie untersucht beliebige DNA-Schnipsel - und nicht nur solche, die zuvor unter größtem Aufwand vom langen Erbgutfaden abgeschnitten wurden. Großrechner rekonstruieren aus dem Vergleich sehr vieler solcher beliebiger Schnipsel den exakten Code. Unter Genforschern galt dieses Verfahren lange Zeit als indiskutabel. "Das ist keine Wissenschaft", polterte Nobelpreisträger James Watson 1991. "Jeder Affe könnte diese Maschinen bedienen."

Verwandte Artikel