FTD Gowers steigt zur FT auf

Kopflose Wirtschaftszeitung - der Chefredakteur und Gründer Andrew Gowers geht.

London/Hamburg – Die monatelangen Spekulationen darum, wer neuer Chefredakteur der altehrwürdigen britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" wird, sind beendet. Die britische Mediengruppe Pearson belohnt den Gründer der "Financial Times Deutschland" für seinen Kontinental-Kreuzzug in Sachen Wirtschaftsjournalismus und macht ihn zum Nachfolger des langjährigen "FT"-Chefs Richard Lambert.

Die "FT" gilt neben dem New Yorker "Wall Street Journal" als wichtigste englischsprachige Tageszeitung für Finanz- und Wirtschaftsinformationen. "Das ist einer der Topjobs weltweit, da muss man Andrew schon verstehen", kommentierte ein Mitarbeiter am Freitag den bevorstehenden Abschied von Gowers. Zuvor waren die Gerüchte über einen Weggang des Blattmachers vom "FTD"-Miteigentümer Gruner+Jahr immer wieder energisch dementiert worden.

Neue "FTD"-Chefredakteure sollen im September die bisherigen Vizechefs Christoph Keese und Wolfgang Münchau werden. Gowers wird dem Blatt als Herausgeber verbunden bleiben, hieß es am Freitag aus sicherer Quelle. Die britische Mediengruppe Pearson, der unter anderem die "FT" gehört, wird die Entscheidung voraussichtlich Anfang kommender Woche bekannt geben.

Londoner Zeitungen hatten sich aus dem Rätselraten um Lamberts Nachfolge wochenlang einen Spaß gemacht: So schrieb "The Guardian", dass Gowers bei den "FT Open" mit eine Wettquote von 3:1 die besten Chancen habe, gefolgt vom Geschäftsführenden Redakteur der "Financial Times"-US-Edition, Robert Thomson (4:1), und Lionel Barber (6:1), der die kontinentaleuropäische Ausgabe der "FT" verantwortet.

Seine Hartnäckigkeit, sein exzellenter Ruf und sein Sinn für Humor machten Gowers nach Einschätzung der britischen Beobachter zur ersten Wahl. Der bisherige FT-Chef Richard Lambert soll Gerüchten aus London zufolge eine wichtige Position in der neuen Regierung von Premierminister Tony Blair bekommen.

Die "Financial Times Deutschland" ist am 21. Februar 2000 erstmals erschienen. Ziel der Anteilseigner Gruner + Jahr (Bertelsmann) und der britischen FT Group (Pearson) ist, mit dem Blatt in einem Zeitraum von vier bis fünf Jahren schwarze Zahlen zu schreiben. Dazu benötigt die "FTD" eine verkaufte Auflage von 100.000 bis 120.000 Exemplaren täglich. Im ersten Quartal 2001 lag die "FTD"-Auflage laut IVW bei 70.248 Exemplaren, rund die Hälfte davon im Abo.

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