SAP Hoher Preis für Partnerschaft

Hasso Plattner strickt die Bande zu Commerce One enger. Der Softwarespezialist erhöht für 225 Millionen Dollar seinen Anteil an dem amerikanischen Unternehmen. Dennoch - Gewinnwarnung von Commerce One.

Walldorf - SAP streckt seine Arme weit aus - vor allem um sich gegen eine Übernahme durch einen Konkurrenten zu schützen. Für insgesamt 225 Millionen Dollar baut SAP seine Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Unternehmen Commerce One weiter aus.

Nach dieser Transaktion hält SAP nach eigenen Angaben rund 20 Prozent an Commerce One. Im vergangenen Juni hatte SAP zunächst vier Prozent erworben. Der Deal, mit dem SAP auch einen Sitz im Board of Directors von Commerce One erhält, soll spätestens im August abgeschlossen sein. Sogar eine komplette Übernahme sei nun möglich, teilte das Unternehmen mit.

SAP demonstriert Entschlossenheit

Bei der Partnerschaft geht es darum, Software für Online-Markplätze, auf denen Produzenten und Händler im weltweiten Netz Geschäfte abwickeln zu können. Commerce One liefere eine E-Commerce-Infrastruktur für wirklich offene Lösungen, die es Unternehmen ermöglichten, ihre Plattform über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus auszuweiten, erklärte SAP-Vorstandssprecher Hasso Plattner. "Unser zusätzliches Investment in Commerce One ist Ausdruck unserer fortwährenden Entschlossenheit zu dieser Partnerschaft".

SAP war erst relativ spät mit E-Commerce-Software gestartet. Kleineren Firmen wie Commerce One konnten dadurch erfolgreich auf den Markt drängen. Der einstige Börsenliebling Commerce One bekam in der jüngsten Vergangenheit die Marktabschwächung allerdings deutlich zu spüren. War seine Aktie im Dezember noch 165 Dollar wert, so sackte sie in diesem Monat unter vier Dollar. Die Investition werde voraussichtlich im Juli oder August dieses Jahres abgeschlossen sein.

Analysten wundern sich über den hohen Preis

Die Hamburger Berenberg Bank hat die Aktien des Walldorfer Software-Konzerns nach der ergänzenden Investition von 225 Millionen Dollar in Commerce One mit "Akkumulieren" und einem Kursziel von 185 Euro bestätigt. Gleichzeitig wies Analyst Marc Osigus in seiner Studie am Freitag darauf hin, dass SAP für die Aufstockung des Anteils auf 20 Prozent einen hohen Aufpreis zum aktuellen Marktpreis gezahlt habe.

Nach Ansicht von Berenberg seien rund 17 Prozent an Commerce One bei zugrunde liegendem Marktpreis für 143 Millionen zu haben gewesen. Nach Ansicht von Berenberg seien rund 17 Prozent an Commerce One bei zugrunde liegendem Marktpreis für 143 Millionen Dollar zu haben gewesen. SAP hatte jedoch 225 Millionen Dollar für die Erhöhung des Aktienanteils ausgegeben.

Der hohe Aufpreis dokumentiert nach Meinung des Experten daher die strategische Bedeutung, die SAP in dieser Kooperation sieht. "Wenngleich wir die Zusammenarbeit technologisch für sehr sinnvoll halten, irritiert uns der Kaufpreis", schreibt Analyst Osigus.

Gewinnwarnung bei Commerce One

Im Laufe des Freitags hat Commerce One seine Umsatzprognose für das zweite Quartal 2001 auf 100 bis 120 Millionen Mark Dollar gesenkt. Das teilte der US-Anbieter einer E-Business-Plattform am Freitag in Pleasanton mit. Grund sei vor allem die verminderte Kundennachfrage besonders in Europa aufgrund der Konjunkturlage, sagte Commerce One-Chef Mark Hoffmann.

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