Microsoft Heute hüh, morgen hott

Bill Gates gibt klein bei. Nach einer Klageandrohung verzichtet Microsoft auf die umstrittene "Smart Tag"-Technologie.

New York/Redmond - Microsoft verzichtet nun doch auf den Einsatz der umstrittenen Smart-Tag-Technologie, mit der jedes Wort auf einer Website in einen Link zu einem Microsoft-Angebot verwandelt werden kann. Das neue Betriebssystem Windows XP soll am 25. Oktober ohne Smart Tags auf den Markt kommen, sagte Microsoft-Vizepräsident Jim Allchin dem "Wall Street Journal".

Auf direktem Wege zu MSN

Mit einem Smart Tag kann Microsoft zu Web-Seiten zusätzliche Informationen oder Dienstleistungen anbieten, wenn der Internet Explorer 6 bestimmte Schlüsselbegriffe erkennt. So könnte ein Unternehmensname automatisch mit einem aktuellen Börsenkurs oder anderen Hintergrundinformationen verlinkt werden.

Kritiker hatten bemängelt, der weltgrößte Softwarekonzern versuche erneut, seine Vormachtstellung bei den Betriebssystemen mit unlauteren Mitteln auf das Internet auszuweiten. Mit der Smart-Tag-Technologie könne Microsoft den Zugriff der Kunden auf bestimmte Web-Angebote und Dienstleistungen im Internet steuern und eigene Angebote wie den Online-Dienst MSN bevorzugen.

In dem Büroprogramm MS Office XP sollen die Smart Tags integriert bleiben. Ausschlaggebend für den Rückzug bei Windows sei "externes Feedback" gewesen. Vor einer Woche hatte Microsoft noch einen Bericht der Deutschen Presse-Agentur über einen Ausstieg aus der Smart-Tag-Technologie dementiert. "Smart Tags sind eine neue Funktion in Windows XP, mit der wir unseren Kunden einen einfachen Weg eröffnen, zusätzliche Informationen beim Surfen im Internet anzubieten", teilte das Unternehmen damals mit.

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