Lernout & Hauspie Absolution Verweigert

Der Ausverkaufsplan für L&H wurde gerichtlich gestoppt. Die Transparenz für Investoren fehlt.

Brüssel - Ein Handelsgericht in Belgien hat dem Sprachenspezialisten Lernout&Hauspie gestern die Absolution in Sachen Ausverkauf versagt. Das berichtete am Daonnerstag die Fachzeitschrift "Ct". L&H, die seit geraumer Zeit in schweren Finanznöten steckende belgische Softwareschmiede, hatte einen Plan vorgelegt, wonach alle wichtigen Unternehmensteile veräußert werden sollten, um die Hauptkreditgeber abzufinden. Alternativ war zunächst in Erwägung gezogen worden, mit den Erlösen eine neue Firma zu gründen. Diese Absicht stieß aber bereits auf harsche Kritik und Ablehnung durch wichtige Gläubiger.

Richter Michel Handschoewerker stellte nun fest, den vorgelegten Plänen mangele es an der notwendigen Transparenz gegenüber Investoren. Bei den vagen Berechnungen und theoretischen Konstrukten sei vor allem der Wunsch Vater des Gedanken gewesen. In den Vorschlägen werde in keiner Weise festgestellt, welche Verluste das Unternehmens konkret einstreichen müsse und was die Umstrukturierung insgesamt koste. Das Gericht bemängelte zudem, dass die Kreditgeber keinerlei Garantien erhielten.

L&H, einstiger Darling der New Economy aus der belgischen Kleinstadt Ieper, war Ende letzten Jahres bankrott gegangen und hatte vom Gericht in Ieper Gläubigerschutz bis Ende Juli zugesprochen bekommen. Im Verlauf der Untersuchungen waren zunehmend Ungereimtheiten in den Rechnungsbüchern aufgetaucht, bis im Mai schließlich feststand, dass die Unternehmensbilanzen von 1998 bis Mitte 2000 um rund 373 Millionen Dollar geschönt worden sind. Teile des ehemaligen Management, darunter die beiden Firmengründer Jo Lernout und Pol Hauspie sowie der vormalige Geschäftsführer Gaston Bastiaens, wurden verhaftet. Philippe Bodson übernahm nach einem kurzen CEO-Intermezzo des früheren Dictaphone-Chefs John Duerden die Rolle des Chief Executive Officer. Bodson zeichnet somit für die vorgelegten Verkaufsszenarien verantwortlich.

Das Gericht forderte das Unternehmen nun auf, bis zum 10. September einen neuen Plan einzureichen und beraumte für den 18. September ein weiteres Treffen ein. Gleichzeitig wurde die Schutzfrist gegenüber den Gläubigern bis Ende September verlängert. Auch in den USA genießt L&H Gläubigerschutz; dort muss das Unternehmen spätestens im September einen Restrukturierungsplan für die amerikanische L&H-Sparte vorlegen. Diese besteht in erster Linie aus der ehemals eigenständigen Spracherkennungsfirma Dragon Systems, die L&H im Mai 2000 übernommen hatte. Etwa gleichzeitig hatte sich L&H auch den renommierten Diktiergerätehersteller Diktaphone einverleibt. Hauptgeldgeber für diesen Deal waren seinerzeit fünf Banken, darunter die Deutsche und die Dresdner Bank. Die Belgier stehen zudem bei etwa 170 kleineren Kreditgebern mit rund 1 Millionen Dollar in der Kreide.

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