AOL / Microsoft Funkstille

Onlineehe gescheitert. Eine Elefantenhochzeit der beiden Internetriesen wird es nicht geben.

Washington - AOL Time Warner und Microsoft haben sich nicht auf eine Zusammenarbeit bei der Integration wichtiger Online-Dienste einigen können. Die Gespräche wurden nach Angaben eines hochrangigen AOL-Managers am Samstag abgebrochen.

Die Verhandlungen seien an der Frage gescheitert, welche Möglichkeiten Internet-Nutzer bei der Software-Auswahl zum Abspielen von digitaler Musik und Videos aus dem Internet haben sollten. Laut CBS Marketwatch sagte der AOL-Manager John Buckley, Microsoft habe darauf bestanden, seine eigene Software Windows Media Player statt der Programme des AOL-Partners Real Networks in das neue Betriebssystem Windows XP zu integrieren.

"Gates will das Internet dominieren"

"Die Gespräche endeten an einem Punkt, an dem es nicht um AOL und Microsoft ging", wurde Buckley zitiert. "Das Thema war vielmehr Microsofts Absicht, andere Medien-Software zu benachteiligen und sich selbst eine Position zu verschaffen, in der man den Markt für Musik und Videos im Internet dominiert."

Gerüchte über einen Abbruch der Gespräche hatte es schon vor zwei Wochen gegeben. Im Falle eines Erfolgs wäre eine beispiellose Zusammenarbeit zweier Software- und Mediengiganten entstanden. Die beiden Konzerne hatten wochenlang über eine Kooperation verhandelt, die den standardmäßigen Einsatz des Microsoft-Browsers Internet Explorer in der AOL-Software vorsah. Im Gegenzug hätte Microsoft einen direkten AOL-Zugang in Windows XP integriert.

Ein weiterer Streitpunkt war der Plan von Microsoft, den eigenen Internet Messaging Service in Windows XP einzubinden. Mit den sehr beliebten Messaging-Programme können Surfer feststellen, ob ein Freund gerade online ist, und mit ihm kommunizieren. AOL ist bisher mit seinem Instant Messenger Marktführer.

Abschottung gegen andere Technologien

Zudem waren die Sorgen bei AOL und anderen Internet-Firmen groß, dass Microsoft mit seinem NET-Konzept eine weitere Abschottung gegen andere Technologien durchsetzen könnte. Dafür würden die Surfer nach Angaben der deutschen Computer-Fachzeitschrift "c´t" nicht nur die Software, sondern auch Hardware und Datenbestände von Microsoft nutzen. Notwendig ist dafür außerdem die ebenfalls von Microsoft stammende "Passport"-Technologie. Sie gibt dem Nutzer eine "Online- Identität", verwaltet persönliche Informationen bis zur Kreditkarten- Nummer und macht das Einkaufen im Internet erheblich komfortabler.